Achte auf die Nägel!

Fingernägel eines indischen Sadhu (Magnolie via www.cosmiq.de)

Fingernägel eines indischen Sadhu (Magnolie via www.cosmiq.de)

Es heisst, die Hände seien die Visitenkarte eines Menschen. Ungeflegte Fingernägel bedeuten demnach, dass ein Mensch generell ungepflegt und unordentlich sein könnte. Wer diese Regel an sich selbst nicht beachtet, dem kann es passieren, sich beim Vorstellungsgespräch oder auch beim ersten Date zu blamieren – und leer auszugehen.

Der Grund, warum man die Nägel besser gepflegt aussehen lässt, wirkt heute ziemlich naheliegend. So einfach war es jedoch nicht immer. Vor rund 260 Jahren war die symbolische Deutung von Händen und Füssen derart populär, dass sie auch wissenschaftlich betrieben wurde. Auf zahlreichen Universitäten wurde Chiromantik gelesen und praktiziert. Dabei versuchten die Chiromantisten von der Beschaffenheit der Hände und Nägel Rückschlüsse auf die Personen zu ziehen.

Schlägt man im guten, alten Zedler Universallexikon (anno 1740) nach, kommt zum Vorschein, wie die Wissenschaft von damals über Finger- und Zehennägel gedacht hat:

Die Chiromontisten [sic!] geben vor, daß schmahle und lange Nägel an den Füssen Weißheit und vollkommenen Verstand anzeigeten, breite Nägel eine gute Leibes-Constitution bemercketen und runde Nägel einen geilen und wollüstigen Menschen verriethen. Von den Nägeln der Finger wissen sie ein langes und ein breites zu schwatzen. Ihre gantze Lehren von selbigen sind kürtzlich diese:

  1. Lange Nagel an den Fingern bemercken eine gute Natur, jedoch ist ein solcher Mensch sehr mißtrauisch und geheim in seinen Sachen.
  2. Sind die langen Nagel auch breit so denotiret es einen Verschwender, der in vielen Dingen einen Exceß begehet, und doch dabey furchtsam ist.
  3. Sind aber die langen Nägel schmal, wie die Adlers-Klauen, so zeigen sie an, daß man aus Ehrgeitz über andere herrschen will, und die, so über ihm sind, verachtet: Ein solcher Mensch hat auch Lust zur Jägerey.
  4. Mittelmäßige und runde Nägel zeigen eine gute Natur an, wie auch einen Liebhaber geheimer Wissenschafften, der nur sein Gemüth zu vergnügen suchet, und niemand Schaden zufüget: Er ist zwar zum Zorn geneigt, welcher aber bald wieder vergehet.
  5. Kleine runde Nägel sind eine Marque eines obstinaten, zornigten, verdrießlichen und verhasseten Menschen in Conversation, welcher meynet es müsse ihm alles zu Gebote stehen.
  6. Grosse und eingebogene oder krumme Nägel marquiren einen aufgeblasenen und ehrgeitzigen Chicaneur, Betrüger und Verführer.
  7. Kleine gebogene Nägel stellen vor ehrgeitzige, hoffartige und wilde Leute, die mit Gewalt sich hervor thun wollen.
  8. Dicke und fleischigte Nagel offenbaren einen faulen, trägen und schläffrigen Menschen, der viel von Fressen und Sauffen hält, und sich um nichts bekümmert.
  9. Rothe und fleckigte Nägel bedeuten cholerische, zornige, unordentliche und grausame Leute, die ihrem Nächsten zu schaden trachten.
  10. Längliche und weisse Nägel deuten auf schwache und kränckliche Leute, welche zu Fiebern, und dabey zur Betrügey und Hurerey geneigt sind.
  11. Blasse oder bleiche Nägel sind ein Zeichen der Melancholie, eines kurtzen Lebens und geschwinden Todes
  12. Schwächliche Nägel bemercken, daß ein solcher Mensch zur Oeconomie incliniret und keine hohe Dinge begehret […]

Alleine dieser kleine Ausschnitt verrät uns, dass es für gläubige Chiromantisten damals einige Dinge mehr als heute zu berücksichtigen galt, um gut dazustehen. Simple Nagelpflege hätte dabei aber wohl nicht mehr gereich(e)t.

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