Anfang oder „Wie man eine Trift beginnt“

Heute beginnt eine Trift – und der öde Volksmund rät uns diesbezüglich jeden Anfang schwer zu nehmen. Natürlich sollte eine Grundsteinlegung gut durchdacht sein, doch existieren auch gute Gründe dafür, einen Anfang auf die leichte Schulter zu nehmen.

SprungAbseits der leider wieder verstärkt um sich greifenden tayloristischen Produktionsweise bedeutet ein eigenes Werk anzufangen, ohne eine offensichtliche Arbeitsvorgabe aus dem Nichts zu schaffen. Davon, dass dies schwer ist, oder gar zur totalen Schaffensblockade führt, können vor allem Künstler oder Leute  im Kreativsektor so manches Lied singen: Zu Beginn ist außer wagen Ideen meist nichts gegeben, auf dem man aufbauen könnte. Lediglich Ängste, Bedenken und Ansprüche scheinen den Weg zu pflastern.

Ein Grund dafür kann sein, dass uns soziale Vorgaben stärker bestimmen als man sich eingestehen möchte. So sind beispielsweise die „eigenen Ansprüche“  bei näherer Betrachtung oft nichts anderes als die Angst vor der Kritik der undefinierten Masse – also dementsprechend zerstreubar, indem man überlegt, wem man gefallen möchte. Auch der rational anmutende Gedanke, nur ein sauberer und „so gut als nur irgend möglich“ durchdachter Start würde in Zukunft Zeit und Mühe ersparen, kann sich als Trugschluss herausstellen, wenn die Planung mehr Energie in Anspruch nimmt als zig blindwütige Versuche, die rein zufällig zum gewünschten Resultat führen können.

Anstatt sich also mit der Angst vor etwas herumzuschlagen, das noch gar nicht existiert, bringt es vielleicht mehr, sich mit den Motiven des eigenen Handelns auseinanderzusetzen. Wenn die Lust am Schaffen und dabei zu lernen den eigenen Ansprüchen genügt, so findet sich am Ende des Tages ein kulturelles Artefakt, das zur Kritik durch seinen Schöpfer und andere bereitsteht. Sieht man den Schaffensprozess als konstruktive Teilnahme an der sozialen Wirklichkeit, so spielt es keine Rolle, ob diese dann gut oder schlecht ausfällt. Das Geschaffene ist nun ein Teil Realität und bringt nun als solcher den Stein ins Rollen (bzw. das Holz zum Triften) – ob als Nebensächlichkeit, als Inspiration für Neues oder als Objekt der Ablehnung ist von diesem Zeitpunkt an nur mehr von geringerer Bedeutung.

In diesem Sinne: Trift on!

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