Aufs Ganze gehen

Wenn man eine Sache wirklich will, so soll man aufs Ganze gehen – also etwas riskieren, etwas anderes vernachlässigen, um endlich das gewünschte Ziel zu erreichen. Diesen Sinnspruch nehme ich mir selbst gern zu Herzen und rate ihn auch den Menschen in meiner Umgebung. Denn ein Wollen ohne Handlungsintention wirkt für mich meist deprimierend, und eine Willensäußerung ohne Mut zur Tat wie bloßes Lamentieren.

Doch wie immer stellen sich solche Ansprüche als schwieriger dar, als gedacht. Die Welt ist halt nicht schwarz-weiß, sondern besteht aus Millionen bunter Grautöne. In meinem Fall habe ich das wieder einmal erleben dürfen, wie das so ist mit den Vernunftlimits der Handlungsfreudigkeit: Zu viel riskieren kostet im schlimmsten Fall nie wieder was riskieren zu können.

Ich lebe noch und bin unverletzt. Vor einigen Tagen WOLLTE ich unbedingt die schönen hohen Wellen fotografieren, die nach einem Unwetter in Cádiz so wunderbar gegen die Wellenbrecher klatschten. Als Abkömmling eines Bergdorfs weiß ich jedoch nicht genau, wie man das Meer einschätzt, und das wurde mir zum Verhängnis. Zwar stand ich fünf Minuten in sicherer Entfernung und beobachtete das Schauspiel, um einen sicheren Platz zu finden, an dem mich die Wellen gerade nicht erwischen würden. Doch bei der Umsetzung der Tat reichte die Zeit gerade für 3 Bilder, bevor mich eine große Welle erwischte, mich fast zu Fall brachte, und mich natürlich von oben bis unten durchnässte. Die Kamera konnte ich gerade noch mit dem Schatten meines Körpers abschirmen. Nach diesem Schock lief ich zu meinem wasserfesten Rucksack, der einige Meter landeinwärts lag, um meine Wertsachen zu verstauen. Noch während ich beim Schließen des Rucksacks war, wurde ich erneut getroffen. Beim weiteren Rückzug noch einmal.

Nun ja, ich weiß nicht, ob es das wert war. Auf jeden Fall hatte ich meine Freude und nichts ist passiert. Doch aufs Ganze zu gehen, wenn man das Risiko nicht einschätzen kann, werde ich so schnell keinem mehr raten!

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