Bergsteigerinnen kochen (nicht) gern

Immer wieder wundere ich mich, warum es so selten reine Frauenseilschaften gibt. Ein Umdenken auch in einem von männlichem Gedankengut getränkten Freizeitbereich findet zwar statt, hat es auch schon immer gegeben – wenn auch nicht so offensichtlich öffentlich – aber es scheint doch so im Hinterstübchen manch eines männlichen Verstandes gleichbleibend die Meinung, Frauen sollten besser nicht so anstrengende, extrem herausfordernde, Muskel produzierende, Testosteron lastige, daher auch heldenhafte Aktivitäten in der vertikalen Bergwelt unternehmen.

Viele dieser Heldentaten lassen uns erschaudern, auch das Vokabular jener grandiosen Berggeschichten lässt die unwissende Frau erstarren, in der Meinung, sie wäre nie und nimmer zu solch schicksalhaften und wirklich mehr als mutigen Taten fähig.

Doch was es heißt eine Horde Kinder ebenso heldenhaft zu bändigen, Tag und Nacht mit vollem Einsatz unter erschwerten Bedingungen, die eigene Gesundheit vernachlässigend Wünsche, Bedürfnisse und auch nicht so angenehme Arbeitsaufträge des Familienklans zu erledigen, das wissen nur die, welche es selbst einmal wirklich heroisch und ohne größere psychische und physische Nachwirkungen durchgestanden haben.

Ich bin eine davon und kann voll Stolz behaupten: ich hab‘s geschafft! Nun bin ich bereit für die Freiheit! Und ich habe mich für die Berge entschieden, da ich nach jedem Bergerlebnis Glück und Zufriedenheit empfinde, die Freiheit in der Vertikalen in mich einsauge, wie der trockene Schwamm das Wasser.

Und da ich mir die Stahlnerven einer mehrfachen Mutter erarbeitet habe, und die Erfahrungen im Umgang mit schwierigsten Situationen mich nun mit links auch sehr schweißtreibende Aktionen durchstehen lassen, sehe ich keinen Grund, als Frau nicht in die heldenhafte Welt des Alpinismus einzusteigen.

Wenn ich nun mit meinem männlichen Bergpartner unterwegs bin, wurde schon oft die Frage gestellt, wer denn nun daheim das Abendessen richte. Auch kenne ich einige wenige Bergsteigerinnen, die nach einem 10h Tag am Berg noch am Herd stehen und die männlichen Familienmitglieder, die sich natürlich schon geduscht auf der Couch räkeln, bekochen.

Das alles wäre bei reinen Frauenseilschaften dann wohl kein Problem, denn welcher Partner wartet denn schon daheim mit dem gekochten Braten auf die verschwitzte, verschmutzte, hundemüde aber heldenhaft glückliche Bergsteigerin?

Mit meiner Freundin gehe ich dann nach der alpinen Bergfahrt ins Wirtshaus – hoch lebe die bayrische und österreichische Wirtshauskultur- und lasse mir mein Weißbier und das Schnitzerl schmecken.

Und wenn ich mit meinem männlichen Partner unterwegs bin, mach ich dasselbe. Und wenn ich mal nicht auf den Berg steige, koche ich nach der Arbeit was wirklich Gutes!! Denn nur wenn wir etwas gern, mit Liebe und Einsatz tun, tun wir es auch richtig gut.

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