Bier 201 – Dies und das

Wir triften mal wieder in die wunderbare Welt der vergorenen Gerstensäfte

Schon länger her, seit wir bei Trift einige Bier-Klassiker näher vorgestellt haben. Höchste Zeit, mal wieder einen Blick auf einige mehr oder weniger exotische Biersorten zu werfen und zu schauen, was sich unter der Schaumkrone eigentlich so verbirgt:

Altbier: Bezeichnet ein dunkleres Bier nach „alter“ Brauart. „Alt“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Brauweise mit obergäriger Hefe, die bei höheren Temperaturen gärt als das untergärige Bier. War vor der Erfindung der modernen Kühlmaschinen Ende des 19. Jahrhunderts Standard, danach haben sich jedoch die untergärigen Sorten wie Pils, Märzen oder Lager durchgesetzt. Heute ist Altbier vor allem in Deutschland eine regionale Spezialität. Das Düsseldorfer Altbier ist berühmt, aber auch in Wien gibt es mit Roter Hiasl und Unibräu zwei Brauereien, die Altbier herstellen. Das älteste Altbier braut aber seit 1266 die Bolten-Brauerei in Korschenbroich bei Mönchengladbach. Und ich kannte bislang Korschenbroich nur als Geburtsort von Horst Schlämmer. Und noch ein Tipp: In gewissen Kölner Kneipen eher kein Düsseldorfer Altbier bestellen, wenn man sich nicht sehr schnell sehr unbeliebt machen will.

Bolten Ur-Alt: Älter wird’s nicht (via die-bier-tester.de)

Weizenbier: Bleiben wir bei den obergärigen Sorten. Das mit Weizen statt Gerste gebraute Bier ist vor allem in Bayern quasi ein Nationalheiligtum. Die ersten Weizenbiere wurden aber noch viel weiter südlich des Weißwurstäquators gebraut, nämlich im alten Babylon und Ägypten. Und auch in Europa wurde früher so gut wie jedes Getreide, das nicht bei drei auf den Bäumen war, zum Bierbrauen hergenommen – natürlich auch Weizen. Das Weizenbier, wie wir es heute kennen, kam dagegen erst im 16. Jahrhundert auf. An Sorten unterscheidet man im Wesentlichen das filtrierte, klare Kristallweizen und das trübe, nicht filtrierte Hefeweizen, in dem sich noch Schwebstoffe oder Hefe befinden. Weizenbier ist besonders im Sommer ein herrlicher Durstlöscher, nur das Einschenken ist eine Wissenschaft für sich. Idealerweise wird das Glas zuerst mit kaltem Wasser ausgeschwenkt, damit es nicht zu sehr schäumt, danach vorsichtig schräg befüllt und wenn nur noch wenig Bier in der (am besten nicht liegend gelagerten) Flasche ist, wird diese nochmal geschwenkt, damit sich die abgesetzte Hefe schön ins Glas löst. Verwegenere Naturen stülpen die Flasche dagegen einfach ruckzuck ins Glas um. Dabei sollte man aber wissen, was man tut. Mein eigener diesbezüglicher Versuch endete jedenfalls damit, dass mir das Weißbier aus Glas UND Flasche auf Gesicht und Hosen schäumte.

Da lacht das Herz des Bayern (via Wikimedia Commons)

Ale: Ein Begriff, der nicht nur Säufern, sondern auch Rollenspielern bestens vertraut sein dürfte, greifen doch die wackeren Helden in mittelalterlich angehauchten Fantasy-Rollenspielen nach getanener Drachenverklopperei gerne mal zu einem Humpen Ale. Ale bezeichnet offiziell im englischen Sprachraum allgemein fermentierte Getränke, die hauptsächlich aus gemälzter Gerste hergestellt werden – umgangssprachlich wird der Begriff in Großbritannien jedoch synonym für Bier verwendet. Allerdings wurden vor dem 15. Jahrhundert ausschließlich ungehopfte Biere als Ales bezeichnet, während Beer Brauerzeugnissen vorenthalten blieb, bei denen Hopfen im Spiel war. Und bis ins 18. Jahrhundert hinein waren Bier- und Ale-Brauer getrennte Berufe. Ein Braumeister aus jener Zeit könnte mir auch sicher erklären, warum sich das so wahnsinnig unterscheidet, dass man da jeweils eigene Spezialisten dafür braucht. Heute sieht das anders aus und alle in Großbritannien gebrauten obergärigen Biersorten außer Porter und Stout werden als Ale bezeichnet. Bekannt sind etwa das Pale Ale bzw. Indian Pale Ale. Aber aufgepasst, die Engländer brauen teilweise verwegene Ales zusammen. Während man im Pub ziemlich auf der sicheren Seite ist, wenn man ein Stout bestellt, können die ausgeschenkten Ales durchaus von der abenteuerlicheren Sorte sein. Aber das hat ja auch seinen Reiz.

Genau das Richtige, nachdem man einen Drachen erlegt hat (via medieval-recipes.com)

Starköl: Klingt nach etwas, das man sich nicht unbedingt hinter die Binde kippen sollte, ist aber bloß die skandinavische Bezeichnung für Starkbier. Bei uns darf sich alles über 6,5 % Alkoholgehalt, also etwa das gute alte Bockbier, „stark“ schimpfen. In Finnland dagegen gilt als Starköl bereits jedes Bier über 4,8 % und in Schweden gar über 3,5 %. Alles bis zu diesem Alkoholgehalt kann man noch ganz normal im Supermarkt kaufen, alles mit mehr Umdrehungen muss man dagegen im staatlichen Schnapsladen Systembolaget erwerben. „Alter Schwede!“ wird sich da mancher Bierfreund denken, aber die Trift-Redaktion kann nach dem Betriebsausflug in den Norden Entwarnung geben: Auch das normale Öl ist durchaus sehr süffig. Bei der schwedischen Guinness-Variante hab ich etwa überhaupt keinen Unterschied zum Original gemerkt (hoffentlich lesen keine Iren mit!) und im schlimmsten Fall schmeckt das Bier milde verwässert, ungefähr so wie am Fußballplatz. Das sollte also keinen Bierfreund davon abhalten, das schöne Schweden zu besuchen.

Irgendwie sieht’s doch aus, als gehörte es in den Motor statt in den Magen (via allspirits.de)

 

Und das wars auch schon wieder für heute. Weitere Beiträge in dieser Reihe sind nach entsprechender Recherche nicht ausgeschlossen. Bis dahin Prost!

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