Butt Fumble zur Primetime

Vor Kurzem war Thanksgiving, in den USA ein Fest, bei dem traditionell die drei großen Fs des Lebens im Mittelpunkt stehen: Familie, Fressen und Football. Bereits seit 1869 wird in den Vereinigten Staaten an diesem Feiertag Football gespielt und im Zeitalter der Massenmedien gehört es zum guten Ton, sich vor, nach oder während dem Truthahnessen vor dem Fernsehkastl zu versammeln und dem Passivsporteln zu frönen. Im Gegensatz zu jedem restlichen verdammten NFL-Sonntag, an dem immer zig Partien gleichzeitig stattfinden und daher nur in ihren jeweiligen lokalen Märkten im Fernsehen zu sehen sind (z. B. die New York Giants im Großraum New York, die San Francisco 49ers an der Westküste usw.), werden die Spiele am Feiertag einzeln ausgetragen und zur besten Sendezeit landesweit übertragen. Also die ideale Gelegenheit, um berühmt zu werden. Oder berüchtigt. Letzteres gelang Quarterback Mark Sanchez und den New York Jets 2012 auf besonders spektakuläre Weise.

Wer den Schaden hat… (via westword.com)

Wer den Schaden hat… (via westword.com)

2012 waren die New York Jets ein durchaus ernstzunehmendes Football-Team. In den drei Jahren zuvor hatten sie es zwei Mal bis ins AFC Championship Game geschafft, waren also jeweils nur einen Sieg von der Superbowl-Teilnahme entfernt gewesen. Doch eine desaströse Vorstellung im 2. Viertel des Thanksgiving-Games 2012 beendete den Lauf des Teams schlagartig. In weniger als 1 Minute Nettospielzeit schaffte man es, gleich 3x den Ball an den Gegner zu verlieren und daraus 3 Touchdowns zu kassieren. Insgesamt hatten die Jets in dem Viertel 12 von 15 Minuten den Ball, doch am Ende lautete der Spielstand 35-3 für den Gegner. Da hatte sogar Superfan „Fireman Ed“ genug – er verließ das Stadion noch vor der Halbzeit und gab in der Folge seine Rolle als inoffizielles Teammaskottchen für ein paar Jahre auf. Tragisch-komischer Höhepunkt des Desasters war das mittlerweile legendäre Butt Fumble.

So habens die Fans erlebt (via reddit.com)

So habens die Fans erlebt (via reddit.com)

„Butt Fumble? WTF?“ denken sich vielleicht jetzt so manche, daher hier ein kurzer Exkurs in die Football-Grundbegriffe: Ein Fumble ist ein Ballverlust, d.h. der Ballträger lässt den Ball fallen und das gegnerische Team erobert ihn; ein Pick-Six ist ein Ballverlust, der zu einem Touchdown des Gegners führt. Und ein Butt ist, nun ja, ein menschliches Hinterteil. Beim berühmt-berüchtigten Butt Fumble kamen vor 80.000 Fans im Stadion und etwa 20 Millionen an den Fernsehgeräten alle diese Elemente zusammen: Quarterback Mark Sanchez macht ein paar Schritte zurück und will den Ball eigentlich für einen Laufspielzug übergeben, aber sein Running Back ist nicht da, wo Sanchez ihn erwartet. Dann läuft der Quarterback selbst mit dem Ball wie von der Hummel gestochen nach vorne, als hätte er ein klaffendes Loch in der gegnerischen Defense entdeckt. Leider war da aber keine Lücke, sondern nur der Hintern seines Mitspielers Brandon Moore. Seitdem wissen wir, dass ein Kräftemessen zwischen Arsch und Schädel einen eindeutigen Sieger kennt: Denn während sich der Arsch keinen Zentimeter bewegt, wird der Quarterback zurückgeschleudert wie nach einem Auffahrunfall und verliert dabei den Ball, den ein gegnerischer Verteidiger dankend aufhebt und in die Endzone trägt, ohne dabei vor Lachen zusammenzubrechen – die eigentliche sportliche Leistung an diesem Spielzug. Aber seht selbst! Hier gehts zum Video.

Der Moment nach dem Aufprall (via uproxx.com)

Der Moment nach dem Aufprall (via uproxx.com)

Bei NFL Networks wurde vermutet, das Butt Fumble war eine Botschaft des Universums an Mark Sanchez gewesen: Du bist zu gutaussehend, du bist zu reich, du bist zu erfolgreich – höchste Zeit, dich vom hohen Ross runterzuholen. Dazu kann man nur sagen: Mission accomplished, Universum: Weder die Karriere von Mark Sanchez (heute 3. Quarterback der Dallas Cowboys) noch die New York Jets als Team (keine Playoff-Teilnahme seit 2010) haben sich bis heute von der Lachnummer so richtig erholt.

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