Calcio storico, oder Kick&Box fiorentino

Spielszene aus dem Calcio storio 2008 (wikimedia commons)

Spielszene aus dem Calcio storio 2008 (wikimedia commons)

Die Schotten verwandeln ein ganzes Dorf in ein Fußballspiel ohne Regeln, die Katalanen bauen menschliche Burgen, und die Italiener spielen historisches Fußball in Kostümen. Beim Calcio storico, das alljährlich in Florenz stattfindet, treten Mannschaften aus vier Stadtviertel gegeneinander an, um in einer blutigen Schlacht eine Kuh zu gewinnen.

Calcio storico wird bereits seit dem 15. Jahrhundert als Turnier ausgetragen. In seinen Anfängen spielten hauptsächlich Adelige, weswegen in den Regeln auch vorgeschrieben war, dass adelige Herren am Spielfeld nicht einfach den Ball von ihren untergebenen Pagen fordern konnten. Auch war explizit festgeschrieben, dass das Spiel nach erzielten Toren entschieden wird, und nicht danach, wer die schönste Sonntagstracht anhatte.

Was früher eine blaublütig-sante Unterhaltung war, ist heute ein proletoides Gemetzel. Da körperliche Attacken ein legitimer Bestandteil des Spiels sind, kann Calcio storico als Mischung von Ballspiel und Kampfsport gesehen werden. Jeweils 27 Männer treten gegeneinander an.

Spielszene aus dem Calcio storico 2008 (wikimedia commons)

Spielszene aus dem Calcio storico 2008 (wikimedia commons)

Der Ball wird mit Hand oder Fuß gespielt, und es gilt, den Ball ins Netz am Ende des gegnerischen Spielfelds zu bringen. Der Gegner selbst kann jederzeit mit Schlägen, Tritten oder anderen Kampftechniken angegriffen werden. Verboten sind Attacken von hinten und Tritte auf den Kopf. Auch Massenschlägereien sind unzulässig, denn es darf immer nur einer gegen einen kämpfen.

Durch die extreme Emotionalität und Spielintensität kam es im Laufe der Jahre immer wieder zu Schlägereien, die jenseits der Regeln lagen. Im Jahr 2006 waren die Kämpfe während des ersten Spiels jedoch derart brutal, dass das Turnier in diesem Jahr abgebrochen und für 2007 abgesagt wurde. Für die Neuauflage des Calcio im Jahr 2008 wurden neue Regeln eingeführt, die an einen fairen Wettbewerbsgeist appellieren, sowie keine Spieler zulassen, die älter als 40 Jahre sind oder schwere Vorstrafen haben (z.B. wegen Mord).

Seitdem läuft das Spiel wieder etwas ruhiger ab. Die Teilnehmer sind aber nach wie vor mit vollem Enthusiamus dabei. Immerhin wird als Belohnung die Hymne des Siegerteams gespielt und als Trophäe winkt eine Kuh. Und es ist nicht irgendeine Kuh: Ein Kalb muss es sein, ein Chianina-Kalb.

Video: Finale 2016 – Weiß gegen Blau

Quellen / Weiterführende Links

 

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