Dazö kan Schmäh

Dem Duden zufolge bedeutete das mittelhochdeutsche „Smæhe“ soviel wie Beschimpfung. Doch während sich in den Worten „Schmach“ und „schmähen“ eine denunzierende Bedeutung bis heute gehalten hat, entwickelte sich das österreichische Wort „Schmäh“ zu einem vielfältigen, essentiellen Bestandteil österreichischen Deutschs – und nur in wenigen Fällen soll damit etwas Negatives ausgedrückt werden.

Hier gibt’s eine Aufzählung verschiedener Einsatzmöglichkeiten:

  1. Wenn „wer an Schmäh erzöht“ bedeutet das entweder, dass
    1. jemand einen guten Witz, oder aber
    2. jemand eine Unwahrheit bzw. eine Lüge erzählt hat, also ein „Schmähtandler“ ist.
  2. Dementsprechend kann man mit „Dazö ma kan Schmäh“ das Gegenüber aktiv dazu auffordern bei der Wahrheit zu bleiben.
  3. Wenn jemand „an guadn Schmäh hot“, beschreibt das meist den charmanten oder humorvollen Charakter von Personen, die höchstwahrscheinlich auch
  4. vermeintlich peinliche Situationen „mit Schmäh nehmen“ , also verständnisvoll auf soziale Missverständnisse reagieren, im Gegensatz zu anderen Menschen, die in solchen Situationen vielleicht dazu tendieren,
  5. schmähstad“ zu sein, also vor Empörung oder Scham keine Worte mehr finden bzw. mit ihrem Latein am Ende sind.
  6. Wer „den Schmäh heraußen hat“, also weiß, was „der Schmäh dabei ist“, kennt den funktionellen Kern einer Sache oder Verrichtung, und damit den Trick, der zur Erreichung des gewünschten Ziels führt.

Zu guter Letzt bleibt die Bedeutung vom „Schmäh fian“. Diese Tätigkeit beschreibt einen Teil Seele österreichischer Gesprächskultur – denn wenn durch die soziale Dynamik einer Gruppe der „Schmäh amoi rennt“, führt eines zum anderen, wird der Ernst des Lebens vergessen, avanciert fast jeder Satz zur humoristischen Pointe, und alle Beteiligten benehmen sich, als wären sie quasi in einem großen Witz gefangen. Wer also den Schmäh mit dem Schmäh heraußen hat, wird in Österreich selten schmähstad sein, eher beim Schmäh fian a boa Schmäh vazöhn. Ohne Schmäh!