Auffällig tarnen

Dazzle Camouflage der USS West Mahomet (wikimedia commons)

Dazzle Camouflage der USS West Mahomet (wikimedia commons)

Wer sagt, dass eine Tarnung immer bedeutet, etwas visuell vor dem Betrachter zu verstecken? Es geht auch anders. Bei der so genannten Dazzle Camouflage kann die sichtbare Oberfläche sogar extrem auffällig sein. Der Tarneffekt entsteht dabei nicht durch verstecken, sondern durch verwirren.

Die Technik, die auf den Künstler Norman Wilkinson zurückgeht, erreichte ihre maximale Popularität im ersten Weltkrieg. Man hatte das Problem, dass sich Kriegsschiffe nicht vernünftig tarnen ließen. Anstatt sie also vor dem Auge des Feindes zu verstecken, sollte Dazzle Camouflage dazu dienen, den Gegner über entscheidende Details des gesichteten Meeresvehikel zu täuschen. Tausende Schiffe der britische Marine und der US Navy bekamen jeweils einzigartige Oberflächenbemalungen, die sowohl das Erkennen des Schiffstypus erschweren sollten, als auch die Bestimmung von Fahrrichtung, Geschwindigkeit und Größe. Dies war vor allem deswegen relevant, da die Torpedos zur Zeit des ersten Weltkriegs nur linear ausgerichtet und abgefeuert werden konnten. Wenn der Torpedoschütze also nur gering in seinen Berechnungen “gestört” wurde, traf er nicht.

Ob die Dazzle Camouflage ihren dementsprechenden Zweck erfüllte, wurde niemals erschöpfend geklärt. Naheliegend ist es schon, wenn man sich manche optische Täuschungen wie beispielsweise ein Hahnentrittmuster ansieht. Zudem vertraut auch die Automobilindustrie bis heute auf das Konzept der Dazzle Camouflage. Viele KFZ-Prototypen, die zu Testzwecken in der Öffentlichkeit herumkurven (sog. Erlkönige), werden mit Krisselfolie beklebt, um Designdetails kommender Fahrzeugmodelle zu verschleiern.

Wer also in Graz aufmerksam herumläuft, wird auch immer wieder Fahrzeuge von Magna-Mitarbeitern sehen, die mit lustigen Zebramotiven beklebt sind. Mit der Kreativität der Fahrzeuglenkerin oder der Belustigung des Straßenpublikums hat das höchstwahrscheinlich nichts zu tun.

[Update 2016-01-20: Wer eigene Gegenstände ver-tarn-stecken möchte, muss wohl eher nach “Tarnfolie” suchen. Die Krisselfolie ist wohl kein so gängiger Begriff.]

Quellen / Weiterführende Links

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