Der geographische Fingerabdruck eines Buchs

Novel City Map des Buches "Jeder stirbt für sich allein" (screenshot via uclab.fh-potsdam.de)

Novel City Map des Buches “Jeder stirbt für sich allein” (screenshot via uclab.fh-potsdam.de)

Was haben die drei Bücher, „Berlin Alexanderplatz“, „Jeder stirbt für sich allein“ und „Herr Lehmann“ gemein? Richtig, alle Drei sind Romane und alle Drei spielen in Berlin. Wenn auch der Stil in dem sie geschrieben, die Geschichte, die sie Erzählen und die Personen, um die es sich dreht, verschiedene sind, so bleibt doch eines gleich. Der Ort an dem sie spielen.Jan-Erik Stange, ein deutscher Designer, hat sich diesen Umstand im Zuge eines Projekts des Urban Complexity Labs, das sich mit der Visualisierung von Stadt- und Kulturdaten beschäftigt, angeschaut und produzierte die derzeit als Prototyp hier gezeigten Novel City Maps.

Stange zeichnete für jeden im Buch erwähnten Ort auf einer horizontalen Linien, chronologisch geordnet pro Nennung  einen Punkt und verbindet diese. Die vertikale Linienfolge wird anhand der  Häufigkeit der Nennung ermittelt. Werden zwei Orte im selben Absatz erwähnt, wird eine Querverbindung mittels vertikaler Linie eingezeichnet. Und so entsteht ein für jedes Buch einzigartiger Fingerabdruck, der die Wichtigkeit der einzelnen Orte und deren Beziehung zueinander sichtbar werden lässt.

Die Novel City Maps sollen zu einem besseren Verständnis der geistigen Konstruktion von realem und fiktionalem Raum im Roman unter den Einflüssen von Geschichte, Autor und Zeit beitragen und der Literaturwissenschaft ein Werkzeug zum Vergleich unterschiedlicher Geschichten und deren geographischen Gewichtung an gleichen Orten zur Verfügung stellen. Daneben hofft Stange auch, dass man der interessierten Leserschaft einerseits die Möglichkeit gibt, neue Perspektiven auf schon  bekannte Geschichten zu eröffnen, andererseits Lesern, die mit einem Ort verbunden sind, einen Zugang zu neuer Literatur, die sich mit „ihrem“ Ort beschäftigt zu ermöglichen.

Ob es bald auch eine Novel City Map von österreichischen Städten geben wird, bleibt abzuwarten. Am aufzuarbeitenden Stoff soll es nicht scheitern, und spannend wäre es allemal.

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