Der Sohn Gottes, John Frum

Der Advent ist immer eine gute Zeit um sich mit Glaube und Religion zu beschäftigen und in den letzten Wochen haben wir zu dem Thema auch schon einiges gelesen. Ob es nun die Saint John Coltrane African Orthodox Church, die Iglesia Maradoniana oder der Diskordianismus ist, für jeden Menschen soll es den richtigen Weg zu Gott geben!

Mancher wird sich vielleicht auch noch an den Cargo Kult, die politisch-religiöse Bewegunge aus Melanesien, erinnern, derern Anhänger sich auf Güter der Ersten Welt als spirituelle Reliquien beziehen. Kurz gesagt, die Gläubigen bauen lebensgroße Flugzeuge und ähnliches aus Holz nach und halten damit Zeremonien ab.

Die zeremonialen Flaggen der John-Frum-Bewegung

Eine Religion die den vielen Ausformungen des Cargo Kultes zugeordnet wird, ist die John-Frum-Bewegung auf der Pazifikinsel Tanna, die zum Inselstaat Vanuatu im Südpazifik gehört. Entstanden ist diese als Gegenbewegung zu christlichen Missionierungsaktivitäten und erhielt Auftrieb von der Stationierung amerikanischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die als Abgesandte von John Frum angesehen wurden.

Für die Gläubigen ist der Vulkan Yasur der Ursprung der Welt, unter dessen Krater der Sohn Gottes, der Amerikaner John Frum lebt. Laut Überlieferung ist dieser in den 1930er Jahren einigen Inselbewohnern erschienen und habe ihnen folgende Dogmen übermittelt: „Behaltet eure Bräuche. Hört nicht auf christliche Missionare und lebt von euren Gärten und Tieren.“

In Melanesien ist es weit verbreitete Praxis, bedeutende Vorfahren zu verehren. Dies dürfte der Entstehung der John-Frum-Bewegung sehr zugute gekommen sein, denn für die Inselbewohner war die Landung von unbekannten Schiffen nur dadurch zu erklären, dass es das Werk von Göttern sein musste. Dadurch dient die Religionsausübung den Anhängern auch dazu, Veränderungen ihrer bisherigen Lebensweise und Begegnungen mit Ausländern besser zu bewältigen.

John-Frum-Kreuz auf Tanna

Der Kult zählt heute etwa 1.000 Anhänger (ca. 20 % Tannas Bevölkerung) und weist starke Parallelen zum Christentum auf. Etwa die Verehrung des roten Kreuzes oder die messianische Vorstellungen über John Frum, der eines Tages aus einem Krater hervorkommen und seine Anhänger in eine glückliche Zukunft führen werde. Sein Feiertag, der John Frum Day wird übrigens am 15. Februar gefeiert.

Und wenn dann noch Papst Franziskus dazu auffordert „alles polemische oder apologetische Verhalten“ abzulegen und gemeinsam das Verbindende zwischen allen Christen zu suchen, sagt er – auch wenn er sich hierbei lediglich auf Christen bezieht – was wir schon so lange vermutet haben: Missionierung kann nichts!

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