Deutsche Sprache, schwere Sprache #6 – Boanigln

Röntgenbild einer Hand mit Ring am Finger (Wellcome Images / wikimedia commons)

Röntgenbild einer Hand mit Ring am Finger (Wellcome Images / wikimedia commons)

Gerne setze ich mich mit regionalen Sprachschätzen in Österreich auseinander. Eine dieser Raritäten ist das Wort Boanigln. Boanigln beschreibt den Schmerz, der empfunden wird, wenn Füße oder Hände derart ausgekühlt sind, dass es beim Erwärmen dieser Extremitäten zu gnadenlosen Schmerzen kommt.

Medizinisch handelt es dabei schon um eine Erfrierung (lat. congelatio) ersten Grades. Es sei denn, es treten schon Frostbeulen und/oder blaue Verfärbungen auf. Die empfundenen Schmerzen resultieren daraus, dass in den unterkühlten Bereich kaum Blut zirkuliert, und beim Erwärmen das “alte” Blut, mitsamt zu hohem Kohlendioxid-Anteil und Schlackestoffen, in die Zellen geschwemmt wird (meint zumindest der User sipemue, der die schlüssigste Meinung präsentiert, die ich online finden konnte). Wieder erwärmen sollte man betroffene Hände/Füße, indem man sie langsam auf Temperatur bringt. Wer das Gefühl kennt, der weiß, dass alle Hast nur zu fast unerträglichem Schmerz führt.

Woher das Wort ethymologisch kommt, scheint mir naheliegend: Das alte Wort für Knochen ist “Bein”, sprich Båa/Boa, und “nigln” steht wohl eindeutig für “nageln”, was dem stechend-“nagelnden” Schmerz entspricht, den Boanigln bezeichnet.

Das Wort an sich dürften die meisten jungen Menschen gar nicht mehr kennen, und viele Leute, die ich gefragt habe, wissen gar nicht, dass es ein spezifisches Wort dafür gibt. Manche kennen gar die Situation nicht. Ein Bekannter aus dem Murtal wußte jedoch zu berichten, dass man in seiner Heimat “Krahnogln” dazu sagt. Ein anderer, der wie ich aus dem Ennstal stammt, kannte “Oanigln”.

Für weitere Hinweise zum Thema bzw. Bezeichnungen bin ich dankbar! Bestimmt gibt’s in anderen Sprachräumen auch so schön lautmalerische Wörter.

Quellen / Weiterführende Links

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