Die Gülle auf barocken Bildern

Jan Vermeers "Frau mit Waage"

Jan Vermeers “Frau mit Waage”

Dass Andy Warhol Urin für seine „Oxidation Paintings“ benutzte, verwundert eher wenig. Die Tatsache, dass Urin immer wieder in Kunstaktionen der Wiener Aktionisten vorkam, ist jetzt auch nicht gerade neu. Aber was macht Urin auf barocken Bildern wie Jan Vermeers „Frau mit Waage“?

Es ist Bestandteil von Farbe – und glaubt man der „Forbes Pigment Collection“ des Harvard Art Museums (was man durchaus tun kann) – eine der teuersten überhaupt. Genauer gesagt handelt es sich um Kuh-Urin.

Man könnte nun annehmen, dass dies eine brauchbare Lösung wäre, um die österreichische Landwirtschaft zu stärken, dem Bauernsterben entgegen zu wirken und der ruralen Bevölkerung einen neuen Absatzmarkt im Kunstschaffendensektor zu erschließen. Hier muss ich leider enttäuschen, denn – man wird es schon vermuten – es ist keine gewöhnliche Kuhstallgülle.

Ganz genau genommen dreht es sich um Kuh-Urin von indischen Kühen. Also von indischen Kühen, die ausschließlich mit Mangobaumblättern gefüttert wurden. Da Mangobaumblätter aber für Kühe nicht gut verdaulich sind, lösen die Blätter pathologische Stoffwechselvorgänge in der Kuh aus. Das heißt also, es ist Kuh-Urin von kranken indischen Kühen. Und damit ist es, zum Leid der Kuh, noch nicht getan. Denn damit daraus teure Farbe werden kann, müssen die vierbeinigen Rohstoffproduzenten leider auch noch mit reduzierter Flüssigkeitszufuhr leben. Hat man dann die flüssigen Exkremente einer durstigen, kranken, indischen Kuh, muss man diese nur noch erhitzen.

Ein Piuri Indischgelb

Ein Piuri Indischgelb

Was an sich schon wie eine Kunstaktion eines intoxinierten Starkochkünstlers klingt, war die Standardprozedur zur Herstellung des Farbpigments „Indischgelb“, bis dessen Herstellung, Ende des 19. Jahrhunderts, aus tierschutzrechtlichen Überlegungen verboten wurde.

Ungefähr 50g des Farbstoffes konnten pro Tag pro Kuh gewonnen werden und wurden dann in großen Kugeln, sogenannten Piuri, in den Handel gebracht.

Obwohl größere Mengen davon nach Europa verschifft wurden, finden sich kaum Bilder in denen Indischgelb verwendet wurde. Das oben bereits erwähnte „Frau mit Waage“ von Jan Vermeers ist eines jener wenigen.

Heutzutage haben Chemikonzerne wie BASF der indischen Kuh das Leid abgenommen und bringen synthetische Farbstoffe mit vergleichbaren Eigenschaften auf den Markt.

Namaste.

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