Ein Pudel namens Boye

Wer Pudelhunde von heute kennt, mag der Meinung sein, dass Pudel lediglich brave, überzüchtete Schoßhündchen sind. Etwas anderes erzählt die Geschichte von Boye, dem Pudel von Prinz Ruprecht von der Pfalz, Duke of Cumberland, im 17. Jahrhundert. Denn Boye war auf den Schlachtfeldern seiner Zeit ein gefürchteter Gegner.

Ruprecht und sein Hund Boye, in einer Darstellung der Parlamentarischem Propaganda (wikimedia commons)

Ruprecht und sein Hund Boye, in einer Darstellung der Parlamentarischem Propaganda (wikimedia commons)

Als Prinz Ruprecht während des 30-jährigen Kriegs in der Festung zu Linz in Gefangschaft saß, brachte ihm ein englischer Adelsmann einen Hund, damit Ruprecht Gesellschaft hätte. Boye, so der Name des Hunds, wurde bald zum treuen Begleiter des Prinzen. Von 1642 bis 1644 begleitete Boye sein Herrchen auf den Schlachtfeldern des englischen Bürgerkriegs.

Als Royalist und erfolgreicher Kriegsherr war Ruprecht ständigen Angriffen der Progaganda der Parlamentarier ausgesetzt. Auch Boye, der oft an der Seite seines Herrchens kämpfte, fand in den Negativkampagnen Erwähnung. Es hieß, der Hund sei ein verhexter Helfer des Prinzen, mit übernatürlichen Fähigkeiten, oder er sei gar der Teufel selbst.

Parodisten und Satiriker auf Seite der Royalisten machten sich lustig über ihre “abergläubischen” und “leichtgläubigen” Gegner, und bauten die Theorie vom Wunderhund noch weiter aus. Manche schrieben, Boye wäre ein Gestaltwandler dämonischen Ursprungs, andere wiederum behaupteten, Boye sei eine “Lapländische Edeldame”, die in einen weißen Pudel verwandelt worden sei. Boye konnte schließlich verborgene Schätze aufspüren, war unverwundbar, konnte Kugeln, die auf Ruprecht gefeuert wurden in seinem Maul fangen, und in die Zukunft sehen.

Ein weißer Pudel, von gleicher Rasse und Zeit als Boye (17. Jh. / wikimedia commons)

Ein weißer Pudel, von gleicher Rasse und Zeit als Boye (17. Jh. / wikimedia commons)

 

Boye wurde zum Maskottchen der Royalistischen Soldaten, und als solches in den Rang eines Sergeant-Major-General befördert. Im Jahr 1644 verstarb Boye im Kampf. Die Geschichte erzählt, dass er eigentlich im Camp der Royalisten angeleint worden war, jedoch ausbüchste und Ruprecht aufs Schlachtfeld folgte. Der Kampf verlief schlecht, Ruprecht mußte fliehen, und Boye wurde im noch andauernden Gefecht getötet. Manche zeitgenössischen Medien berichteten, dass es wohl Silberkugeln gewesen sein müssten, die Boye den Pudel zur Strecke brachten.

Der gefallene Pudel Boye (Holzschnitt / ca. 1644 / wikimedia commons)

Der gefallene Pudel Boye (Holzschnitt / ca. 1644 / wikimedia commons)

So endete die Geschichte des braven Pudels Boye, und wer will, könnte nun fragen, was wir heute aus dieser Geschichte lernen könnten. Ich würde meinen, dass auch ein Pudel eine “Krücke” zu raffinierter Selbstdarstellung sein kann.

Quellen / Weiterführende Links

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