Entzauberte Märchen

The Miller's Daughter (Anne Anderson / Wikimedia Commons)

The Miller’s Daughter (Anne Anderson / Wikimedia Commons)

Irgendwie scheint es zu den Übeln unserer Zeit zu zählen, das eigene Leben ständig unter Kontrolle haben zu müssen. Nicht etwa weil es ums Überleben geht, sondern darum den “persönlichen Aufstieg” oder das “gesamtgesellschaftliche Wirtschaftswachstum” nicht zu gefährden.

Dementsprechend sollten auch unsere Kinder lernen, klar, und vor allem rational zu denken und zu handeln. Träumereien und unproduktives “Abhängen” mit Freunden könnten da schon Hindernisse zur entsprechenden Entwicklung sein. Es empfiehlt sich deswegen auch schon beim Märchenerzählen auf Versionen zurückzugreifen, die sich auf den Kern einer Erzählung konzentrieren, und sich nicht in lästigen Details verlieren.

Eine passende Vorlage für das Märchen Rumpelstilzchen kann in einem Lehrbuch für interpretative Sozialforschung gefunden werden:

“Vordergründig erfahrt das zuhörende Kind bei diesem Märchen von einer armen Müllerstochter, die für den König Stroh zu Gold spinnen soll, dabei Hilfe von einem kleinen Männlein annimmt, schließlich die Gemahlin des Königs wird, ein Kind zur Welt bringt und es schafft, das Neugeborene vor dem Zugriff des Männleins zu schützen, indem sie dessen geheimen Namen auskundschaften lässt.” (Kleemann/Krähne/Matuschek 2009: 112)

Die hier zitierte Version des Rumpelstilzchens kommt immerhin mit nur 58 Wörtern aus, während das Grimm-Original aus dem Jahre 1857 mit über 1000 Wörtern unnötig Zeit vergeudet. Zur perfekten Entwicklung der Kinder fehlt dann nur noch, dass sie auf Kommando einschlafen: JETZT SCHLAFEN!

Quellen

  • Kleemann, Frank; Krähnke, Uwe; Matuschek, Ingo (2009): Interpretative Sozialforschung. VS Verlag.

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