Falcon vs. Mondfee

Kondenstreifen, HimmelRichtet man den Blick nach oben und überlegt sich, was über unseren Köpfen alles herumfliegt, könnte man fast ein komisches Gefühl bekommen. Sehen tun wir zum Glück bloß Flugzeuge und deren Kondensstreifen. Alles was sich etwas höher bewegt, entzieht sich unserem Blick. Zumindest so lange, bis es wieder runter kommt. Wie zuletzt in China, als vergangenen Montag die chinesische Trägerrakete, mit dem klingenden Namen “Mondfee 3“, auf ihrem Weg jede Menge Raumfahrtmüll verlor, welcher wiederum auf den Häusern und Feldern chinesischer Bauern landete. Berichtet wird von kesselgroßen Teilen, welche auf die Grundstücke zweier Familien, hunderte Kilometer entfernt vom Sichuaner Weltraumbahnhof Xichang nieder gingen. Verletzt wurde erstaunlicherweise niemand. Die Mondfee hat lediglich ihren „Feenstaub” verloren und soll planmäßig am 14. Dezember auf dem Erdtrabanten landen um zu wissenschaftlichen Zwecken ein Mondmobil abzusetzen. Offenbar sahen die chinesischen Offiziellen den Zwischenfall als unbedeutenden Nebeneffekt und so erhielt, zum Beispiel Bauer Yang Weihan aus dem Dorf Xiaotian, kurzerhand 10.800 Yuan (1.300 Euro) für seinen zerstörten Getreidesilo. Das dürfte wohl nicht einmal für den Reis reichen, mit dem der Silo gefüllt war. Weiter östlich, in der Nachbarprovinz Jiangxi gingen weitere Teile nieder.

Immer wieder sind in den letzten 20 Jahren Raketentrümmer von chinesischen Satellitenstarts auf die Erde zurück gestürzt. Das hat China eine gewisse Routine im Umgang mit den „Gästen die vom Himmel fallen“ eingebracht, und Bauern müssen, um die ohnehin so geringen Entschädigungszahlungen schachern. Zumindest wurde diesmal vor dem Start der Mondmission ein Kreisgebiet mit 700 Quadratkilometern in Hunan mit elf Dörfern und gesamt 160.000 Einwohnern als mögliche Absturzstelle für Raketentrümmer errechnet. Die Anwohner wurden vorab gewarnt und die meisten seien ohnehin an die Gefahren nach Raketenstarts gewöhnt, schreiben Lokalzeitungen. Trotzdem wurden vor Start des Prestigeprojektes der chinesischen Raumfahrt, am Montag, auf Grund der Größe der Trägerrakete, 20.000 Menschen aus dem Kreis Suining evakuiert und in Schulen untergebracht. Zur Unterhaltung wurden Spielfilme gezeigt, darunter auch der US-Actionfilm: „Mission Impossible“.

Keine 24 Stunden später beförderte das private US-Unternehmen SpaceX erstmals einen Kommunikationssatelliten ins All. Die zweistufige Falcon-9-Rakete startete, nach zweimaligem Aufschub, am Dienstag in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida, um einen luxemburgischen Kommunikationssatelliten ins All zu transportieren. Laut SpaceX Pressestelle wurden mit dem Bilderbuch-Start, 100% der Missionsziele erfüllt. Bereits vergangenen Mai schrieb das Unternehmen Geschichte, als sie mit der unbemannten „Dragon“ als erstes privates Raumschiff an die ISS andockte. Neben Orbital Sciences ist SpaceX die zweite private Firma die im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde NASA Versorgungsflüge zur ISS durchführt. NASA verfügt nach Einstellung ihres Shuttle-Programms über keine eigene Weltraumflotte mehr, was sie von privaten Raumfahrtunternehmen abhängig macht. Scheinbar bleibt es dabei: Alles was hoch geht, muss auch irgendwann wieder runter kommen.

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