Immer wieder grüßt die Vorhaut

Ägyptisches Relief / Sakkara / ca. 2300 v. Chr (Wikimedia Commons)

Ägyptisches Relief / Sakkara / ca. 2300 v. Chr (Wikimedia Commons)

Die sagenhaften Geschichten rund um Jesus‘ Vorhaut haben uns hier schon zwei Beiträge beschert und für mich persönlich, als religiös Nebenstehender, ist es oft verwunderlich, welcher Trubel um die männliche Vorhaut gemacht wird. Zunächst denkt man in Verbindung mit ihr wohl an Beschneidung – doch die Geschichte kennt auch den umgekehrten Fall, die Wiederherstellung der Vorhaut.

Die älteste bekannte Darstellung einer Beschneidung geht auf das alte Ägypten (ca. 2300 v.Chr.) zurück. Als Grund für Beschneidungen im alten Ägypten vermuten einige Historiker, dass damit symbolisch die Häutung der Schlange nachvollzogen wurde, auf dass die Seele des Beschnittenen unsterblich würde. Im Judentum gilt die Beschneidung („Brit Mila“) als Zeichen des Bundes mit Gott und  wird durchgeführt, weil es vom Stammesvater Abraham so verordnet wurde. Im Islam, wo die Beschneidung („خِتَان“) gleichermaßen Religionszugehörigkeit anzeigt, wird sie wohl durchgeführt, weil der Prophet Mohammed ohne oder mit einer ganz kurzen Vorhaut geboren wurde (laut Wikipedia).

Michaelangelos Davidstatue (Rico Heil / Wikimedia Commons)

Michaelangelos Davidstatue (Rico Heil / Wikimedia Commons)

Während Beschneidung in den erwähnten Kulturen als obligat, schick oder wichtig galt und gilt, scheint es  bei den alten Griechen genau umgekehrt gewesen zu sein. Dort war die Vorhaut ein bedeutendes Merkmal eines schönen Penis und ihr Fehlen wurde als Makel wahrgenommen. Für die jüdische Jugend, die Gefallen an der griechischen Lebensart und der typisch griechischen Ausübung von Leibesübungen in Gymnasien fand, wurde dies zum ästhetischen Problem, denn geturnt wurde vorzugsweise nackt. Dementsprechend wurde es zum Trend der jüdischen Jugendlichen, ihre Beschneidungen rückgängig zu machen. Dabei boten sich mehrere Arten an, um einen so genannten Epispasmos durchzuführen: Entweder blutig-chirurgisch, indem die Penishaut vom Schaft abgetrennt und vorgespannt wurde, durch Dehnung der verbliebenen Vorhaut bzw. Infibulation, oder durch Anwendung des Safts des Böskrauts, dessen toxische Wirkung ein Ödem hervorbringen kann und in Kombination mit Fett einen Vorhautersatz bilden kann.

Fest steht, dass die konservative Fraktion nicht besonders entzückt war über die revoluzzerische Jugend. Auch in der Bibel findet sich eine Anekdote über die jungen Sportler, die sich operieren ließen, „damit man ihnen nicht mehr ansah, dass sie beschnitten worden waren“, und sich damit zu Verrätern am Volke Israels machten (1 Makk, 1, 15).

Aus einer westlichen Perspektive gibt es einige gesundheitlich-präventive Gründe, warum eine Beschneidung sinnvoll sein könnte. Besteht jedoch keine medizinisch notwendige Indikation und steht der Bevölkerung eine ausreichende Hygiene-Infrastruktur zur Verfügung, so dient sie hauptsächlich als kulturelles bzw. religiöses Symbol. Ob es dann im Endeffekt wichtig ist, keine Vorhaut, ein wenig Vorhaut oder viel Vorhaut zu „tragen“, ist unterm Strich wohl ein typisches Kennzeichen patriarchaler Kulturen – da macht man anscheinend gerne einen solchen Wirbel um ein kleines Stückchen (männliche) Haut.

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