Ein Interview mit Inigo McCoy

Nach dem gemeinsam gestalteten St. Patricks Day-Abend, in dessen Zuge auch die hier veröffentlichte Playlist entstand, konnte ich drei Mitglieder der Grazer Band Inigo McCoy zu einem Frühstücksinterview einladen. So sprach ich am 2. April mit Markus (Gitarre und Gesang), Mari (Flöte und Gesang) und Andi (Bass) über die Crowdfunding Kampagne für ihre CD, Social-Media-Einsatz im Musikbusiness und die Möglichkeit mit Fantasy-Geschichten reale Probleme anzusprechen. Viel Spaß beim lesen.

in der Interviewsituation

Moe: Ihr habt ja gerade eure Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung der eurer neuen CD abgeschlossen. Wie waren eure Erfahrungen damit?

Andi: Schmerzfrei (lacht), ich hab nicht viel damit zu tun gehabt.

Markus: Der größte Aufwand war, sich zu überlegen womit man Leute dafür interessieren kann. Einfach eine CD herzugeben war zu wenig. Ich bin von mir selbst ausgegangen. Wenn jemand sagt ich würde gerne eine CD machen, gib mir 20€ und du kriegst dafür dann eine  würde ich es mir auch dreimal überlegen. Da muss ich schon das Gefühl haben etwas in die Hand zu bekommen, das jemand anderes nicht hat. Daher war der erste Schritt, sich zu überlegen mit welchen Packages man Leute ködern kann.

 

Moe: Da ihr die Kampagne ja hauptsächlich über Facebook beworben habt, wie wichtig sind eurer Ansicht nach Social Media Plattformen für eher kleinere Bands?

Mari: Ich finde es ist eine super Möglichkeit um Menschen zu erreichen.

Andi: Mir kommt vor es ändert fast nichts ob du klein oder groß bist. Du bringst dein Angebot rein und erreichst die Leute die sich interessiert haben. Für Musiker eigentlich unverzichtbar. Man macht es sich unnötig schwer, wenn man es nicht tut.

Markus: Ein kompletter Verzicht wäre eigentlich Selbstmord, denn wer liest heute überhaupt noch musikjournalistische Veröffentlichungen und wie erfolgreich muss man sein, damit man da überhaupt reinkommt. Wir haben uns gegen eine eigene Homepage entschieden, da wir meinen es ist besser unsere Inhalte in kleinen Happen über Facebook weiterzubringen. Und das gleiche gilt auf der Hör- und Sehsicht für Youtube. Ich finde wir sind mit diesen beiden Kanälen gut repräsentiert und man kann genügend über uns erfahren und mit uns in Kontakt treten. Ich glaube das ist eh das wichtigste daran.

Andi beim Inigo-Interview

Moe: Nachdem ihr ja jetzt das Geld für das Album zusammen habt, wie sieht der weitere Fahrplan für die Produktion aus?

Markus: Wir haben beschlossen, dass wir die CD getrennt einspielen. So wie das auch alle großen Bands machen. Es ist terminlich leichter und wir haben so bessere Möglichkeiten auf die Bedürfnisse der Instrumente bei der Aufnahme einzugehen. Aber wir haben morgen ein Bandtreffen, wo wir uns alle zusammensetzen und schauen wie wir in den nächsten Wochen vorgehen.

Andi: Es ist ja auch darum gegangen, das Budget das wir haben so gut wie möglich zu nutzen. Jetzt nehmen wir halt die Sachen die leicht gehen zu Hause auf und geben das Geld für Instrumente aus die mehr Aufwand brauchen, zum Beispiel Schlagzeug oder Gesang. Also es wird versucht das Geld strategisch gut einzusetzen.

 

Moe: Das heißt einen Release-Termin für das Album gibt es demnach natürlich noch nicht?

Andi: Ja, ein genaues Datum ist noch nicht festgelegt, aber wir würden schon ganz gern dieses Jahr noch fertig werden

Mari: Eine Fertigstellung im Herbst ist eigentlich so die grobe Planung.

Markus: Herbst wär eigentlich schon nett. Also das wir dann, wenn die Tage kürzer werden, Konzerte geben.

in der Interviewsituation 2

Moe: Ihr habt ja auf der Crowdfunding-Seite geschrieben, dass ihr bei keinem Label seid und dass ihr das Album im Endeffekt selber produzieren wollt. Gibt es da noch jemanden der euch bei der Produktion und dem Recording unterstützt  oder wird das eine reine bandinterne Sache?

Markus: Unser Drummer, der Flo, nimmt sein Schlagzeug mit einem Spezialisten für Schlagzeug-Recording auf und ich den Gesang mit einem Kollegen, der ein zehnmal besserer Sänger ist als ich. Dadurch wird es leichter. Man kann sich darauf verlassen, wenn er sagt das funktioniert so nicht, dann weiß ich dass er Recht hat. Da gibt es dann auch keine großen Diskussionen.
In der ersten Phase legen wir einmal Wert darauf, dass die aufgenommenen Spuren technisch so gut wie möglich sind. Damit, wenn es dann ans mischen und mastern geht, einfach alle Möglichkeiten da sind, da das Grundmaterial toll aufgenommen worden ist.

Andi: Aber wenn du meinst ob wir Verlagsmäßig irgendeine Art von Beratung haben, dann Nein. Ich glaub wir würden gern einfach mal die Nummern die wir uns vorgenommen haben so gut wie möglich aufnehmen und es ist ja so das gerade für eine Band dieser Größe das Merchandising sehr gewissenhaft betrieben worden ist. Also ich war überrascht als ich dazu gekommen bin, da ich in noch keiner kleinen Band gespielt habe, die die Chance beim Auftritt was zu verkaufen oder ans Publikum mit T-Shirts, CDs, und Demos heranzutreten so durchgängig genutzt hat. Und das ist auch der beste Ort und der beste Zeitpunkt.

 

Moe: Das heißt, das Album wird dann auch hauptsächlich bei Konzerten verkauft werden?

Andi: Das wäre zumindest die logische Idee. Was dann noch zusätzlich passiert, kann gern passieren aber das muss man sich dann anschauen.

Markus: Ich glaube, dass die CD neben dem Verkauf eben auch eine Visitenkarte darstellt, die man Bookern und Veranstaltern hinlegen kann und einfach sagt: So klingen wir. Das ist dann auch repräsentativ. Denn die  Demos ist die wir bisher aufgenommen haben sind sehr hübsch und sehr nett aber es sind halt nur zweimal eine Viertelstunde.

Andi: Sie sind vor allem bald aus.

Markus: Ja, aber wie gesagt, da ist die Aufnahme fertig. Die kann man gleich wieder nachproduzieren. Die sind in Heimarbeit hergestellt, alles vom Cover bis zur CD selber. Da ist alles hausgemacht. Also die sind immer wieder machbar. Das neue Album wird dann professionell gepresst.

Markus beim Inigo-Interview

Moe: Viele eurer Texte haben ja einen Bezug zur Fantasy Literatur bzw. zu Mythologischen Gestalten und zu einer Zeit die schon längst der Vergangenheit angehört, wenn es sie denn je gab. Haben die Texte trotzdem einen Bezug zur Realwelt oder ist es mehr ein Ziel die Leute auf eine Traumreise mitzunehmen?

Markus: Was meine Texte betrifft habe ich nie das Bedürfnis den Leute irgendwas mitzugeben. Ich hol die Leute lieber in dem Augenblick ab indem sie nicht über Sachen nachdenken sondern die Geschichte als solches annehmen. So ist das auch bei Fantasytexten, und bei uns ist fast alles ein Fantasytext auch wenn es im breitesten Spektrum einfach erzählte Geschichten sind.
Ich glaube aber, dass wenn man einen Song über den Herren der Ringe schreibt oder über Song of Ice und Fire, dann heißt das nicht, dass es dort keinen Bezug zur Gegenwart oder einen Bezug zum Menschsein an und für sich gibt. Wenn man sich Ruin und Red Down anschaut, da geht es um jemanden der in den Krieg zieht, weil er einfach dieses Bedürfnis hat etwas zu verteidigen das ihm wichtig ist und der im Endeffekt auch dafür bezahlt. Und ob das jetzt auf Pferden gegen Orks und Trolle geht oder ob das in irgendeinem Kampfflieger über dem Irak ist, ist dann im Endeffekt egal. Wenn du am Schluss im Dreck liegst und merkst, jetzt ist es vorbei, dann ist es eigentlich egal ob dein Gegner jetzt real war oder ob das in einer Fantasywelt entstanden ist.

 

Moe: Wenn ihr jetzt an Inigo McCoy in drei bis fünf Jahren denkt, welche Meilensteine wollt ihr noch erreichen? Was sind bis dahin die großen Ziele?

Andi: Ein paar mehr Festivals spielen wäre schön. Da haben wir aber eh heuer wieder eines aufgereiht. Aber ich würde gern mehr Konzerte spielen.

Markus: Vieleicht eine zweite CD. Aber das ist halt schon unverschämt, denn wir wissen jetzt, dass wir einmal die erste CD machen werden.
Es war aber von vornherein eigentlich so gedacht. Wir haben für die erste CD auch solange gebraucht, weil wir einen großen Pott an Liedern haben wollten, aus dem wir dann aussuchen können. Daher haben wir einiges an Material, das noch nicht auf der ersten CD drauf ist und da ist einiges dabei das eigentlich drauf sein müsste. Das ist dann was für in vier Jahren, fünf Jahren.

Mari beim Inigo-Interview

Moe: Ihr tretet ja heuer wieder beim Folk im Allgäu auf und ihr wart gerade Headliner beim St. Patricks-Day im Wakuum. Das sind Festivals und Konzerte die ich der Folkszene zuordnen würde, ihr spielt jetzt aber im eigentlichen Sinn keinen klassischen Folk. Seht ihr euch selbst als Folk-Band?

Mari: Also ich persönlich würde sagen: Nein, als reine Folk-Band sehen wir uns definitiv nicht. Unsere Musik ist eine Mischung aus Rock, Pop und Folk. Es sind Elemente aus dem Folk, die immer wieder in unseren Liedern auftauchen.

Andi: Ich bin da dabei. Wenn jemand schnell fragt, habe ich oft Irish-Rock gesagt.

Markus: Viel kommt durch die Instrumentierung. Ich glaube wir machen irgendwie so New Folk. Nachdem New-Folk-Prog-Brit-Pop-Rock-Folk irgendwie zulange war, ist glaub ich New Folk für mich das zu dem ich auch einen Bezug habe. Es gibt eine Strömung die New Folk heißt und da sind auch zwei Bands dabei die ich gerne mag. Wenn man in diesem Bereich drinnen ist bin ich eigentlich völlig zufrieden damit.
Wobei wir eigentlich Pop Rock sind und halt einfach ein Akkordeon und eine Flöte dabei haben, die aus dem klassischen Singer-Songwriter-Schema herausfallen und so haben wir musikalisch viel mehr Möglichkeiten.

Andi und Mari beim Inigo-Interview

Moe: Kommen wir zur letzten Frage: Wo kann man euch heuer außer beim Folk im Allgäu noch sehen?

Andi: Zu Weihnachten im Lungau bei einem Wohnzimmerkonzert im Kulturverein.

Markus: Wir wollten in der Brücke Ende des Sommers auftreten. Da müssen wir noch schauen wann wir einen Termin finden, da zu dieser Zeit traditionellerweise alle im Urlaub sind.

 

Moe: Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das Interview.

 

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