Nur nicht den Faden verlieren – Unravel

Normalerweise laufe ich ja schreiend und springend davon, wenn ein Spiel der Gattung „Jump ‘n’ Run“ um die Ecke kommt. Aber der bezaubernde Plattformer „Unravel“ aus Schweden begeistert selbst Hüpfspielverächter.

Unravel (via unravelgame.com)

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In „Unravel“ spielt man ein kleines rotes Wollknäuel namens Yarny, das in die getrübten Erinnerungen einer einsamen alten Frau eintaucht und diese wieder mit Leben zu füllen versucht – symbolisiert durch ein Fotoalbum mit verblassten Bildern, die nach Absolvieren der einzelnen Levels wieder kräftig und sichtbar werden. Bei den Levels des Spiels handelt es sich um alltägliche, immer mit ein wenig Melancholie verbundene Episoden aus dem Leben der alten Frau, wie z. B. das Spielen im Garten als Kind oder ein schöner Tag am Meer. Diese melancholische Grundstimmung wird von einem wunderbar passenden Soundtrack untermalt.

Unravel (via unravelgame.com)

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Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man versucht, mit dem kleinen Wollknäuel vom Anfang zum Ende des Levels zu gelangen und nebenbei noch das eine oder andere versteckte Extra aufzudecken. Dabei sind ein wenig Sprunggenauigkeit sowie Nachdenken gefragt, um die Hindernisse zu überwinden, die sich Yarny in den Weg stellen. Dazu kommt, dass er, wie alle abenteuerlustigen Wollknäuel, mit jedem Schritt ein wenig Wolle verliert. Meist sind die Punkte, an denen man den Kleinen mit Wollnachschub buchstäblich umgarnen kann, großzügig gesetzt, aber gelegentlich muss man ein wenig überlegen und einen kürzeren Weg suchen, damit die Wolle nicht ausgeht. Es gibt keine Gegner im klassischen Sinn, aber ab und zu muss man sich an lebenden Hindernissen, wie z. B. Krabben am Meer, vorbeischmuggeln. Dabei hilft, dass Yarny seine Wolle als Lasso oder Sprungseil einsetzen oder sie benutzen kann, um Brücken zu bauen oder kleinere Gegenstände zu manipulieren.

Unravel (via unravelgame.com)

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Abgesehen von ein paar rasanteren Passagen ist das Tempo des Spiels der melancholischen Grundstimmung entsprechend eher gemächlich und daher auch für Leute wie mich geeignet, die nicht gerade zu den Gamepad-Künstlern zählen. Dass man am Faden hängt, sorgt für eine angenehm unhektische Spielerfahrung, denn wenn ein Sprung mal daneben geht, kann man sich meist einfach zum Ausgangspunkt zurückhangeln. Die größte Herausforderung besteht vermutlich darin, Yarny überhaupt fortzubewegen und nicht einfach nur mit offenem Mund die wunderschönen Hintergründe zu bewundern – denn neben dem herzallerliebsten Yarny, der mit seinen Knopfaugen und Wollarmen mehr menschelt als gefühlt 90 % der sonstigen Protagonisten in Videospielen, ist die Natur der ganz große Star in „Unravel“. Die Hintergründe sind den Landschaften rund um Umeå in Nordschweden, dem Sitz der Entwickler, nachempfunden und ich kann ehrlich sagen, dass ich noch nie so schöne Grafik in einem Spiel gesehen habe. Da ist nichts Spektakuläres dabei, aber wie wunderschön und detailverliebt eine Wiese, ein Wald, eine Schneelandschaft oder eine Küste aus der Perspektive des Wollmännchens in Szene gesetzt sind, ist oft einfach nur zum Niederknien.

Unravel (via unravelgame.com)

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Unravel kostet aktuell ca. 19 Euro, war im Sale aber auch schon mal für 10 Euro zu haben. Wer auch nur ein Mindestmaß an Sympathie für Hüpfspiele, niedliche Helden, originelle Spielideen oder skandinavische Landschaften mitbringt, kann hier nichts falsch machen. Außerdem gibt’s die Möglichkeit, das Spiel in einer kostenlosen Demo mal auszuprobieren. Aber Vorsicht, das ist ein klassisches Lockangebot: Denn sobald man die ersten Schritte mit Yarny gemacht hat, ist man dem kleinen knopfäugigen Kerlchen bereits hoffnungslos verfallen.

Unravel (via unravelgame.com)

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Unravel ist für PC, PS4 und Xbox One erhältlich

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