Priapos

Etruskische Priaposstatue (ca. 100 v.Chr. / wikimedia commons)

Etruskische Priaposstatue (ca. 100 v.Chr. / wikimedia commons)

Priapos ist ein griechischer Fruchtbarkeitsgott. Seine Mutter war höchstwahrscheinlich Aphrodite, die Göttin der Liebe. Wer sein Vater war, geht aus der Geschichtsschreibung nicht so genau hervor. In Frage kommen Dionysos, Gott des Weines, der Freude, des Wahnsinns und der Extase, Hermes, Götterbote, Gott der Diebe und des Verkehrs, oder aber der schöne Adonis, Gott der Schönheit und Vegetation. Viele Mythen ranken um den seltsamen Gott Priapos, doch alle eint die Vorstellung, dass er mit einem riesengroßen Glied ausgestattet war. Der göttliche Hausdrache Hera hatte ihn zwar mit einem Fluch belegt, der ihn hässlich, faul und impotent machen sollte, doch schien dieser nicht zu wirken.

Um Priapos bestand nie ein organisierter Kult wie um andere Götter. Trotzdem verbreitete sich um 300 v.Chr. der Glaube an ihn über Griechenland und Italien. Vor allem in ländlichen Gebieten fanden sich in Gärten oder Heimaltaren Statuetten oder Fresken, die seiner Anbetung dienten. Auf Feldern wurden große Priaposstatuen aus Holz aufgestellt, die nicht nur für eine reiche Ernte sorgen, sondern auch Diebe und Vögel! abhalten sollten. Priapos galt den Menschen als Beschützer von Vieh, Bienen, Fischen und Früchten. Dementsprechend wurden ihm in der Regel auch die ersten Früchte des Jahres geopfert.

Priaposdarstellungen zeigen meistens eine zwergenhaften Gestalt mit überdimensioniertem und meist erigiertem Penis. In der altertümlichen Moral gehörte die Präsentation von Geschlechtsteilen noch nicht ins Reich hinter den Schamgrenzen. Erst später, mit Erstarken des Christentums, wurden Geschichten laut, dass es im Heidentum Sitte gewesen wäre, dass sich junge Bräute auf das monströse Glied von Priaposstatuen gesetzt hätten, um ihm seine Jungfrauschaft zu opfern.

Heute sind große Penisstatuen entweder peinlich, berühren manche Menschen peinlich, oder werden als Patriarchatssymbol negativ gedeutet. Auch in der heutigen Medizin ist das Andenken an Priapos als Priapismus eine unangenehme und gefährliche Dauererektion. Dabei wären Priapos-Vogelscheuchen eine interessante Bereicherung für so manches Landschaftsbild.

Priapos, dargestellt als Tychon, einem dämonischen Verführer (ca. 100 v.Chr.)

Priapos, dargestellt als Tychon, dämonischer Verführer (ca. 100 v.Chr.)

Römisches Priaposfresko in Pompeii (ca. 100 v.Chr. via theoi.com)

Römisches Priapusfresko in Pompeii (ca. 100 v.Chr. / via theoi.com)

Weiterführende Links / Quellen

  • Seligmann, S. (2012): Geschichte des Aberglaubens aller Zeiten und Völker. Band II. (via google books)
  • Priapos auf de.wikipedia
  • Priapus bei theoi.com

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