Sauborstenmusik, hörbar seit 2008

Zeichnung von Koenigs Apparatur zur Visualisierung von Schallwellen per Gasflamme (Koenig 1889, S. 85)

Zeichnung von Koenigs Apparatur zur Visualisierung von Schallwellen per Gasflamme (Koenig 1889, S. 85)

Jazz auf Knochen begeistert uns nicht nur akustisch, sondern eben auch visuell. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sich überhaupt jemand vorstellen kann, Töne aufzunehmen und wiederzugeben. Erst 1877 erfand Thomas Edison mit dem Phonographen das erste Gerät, das für den Zweck geschaffen wurde, Ton abzuspielen.

Vor Edisons Erfindung existierten höchstens Apparate, mit denen man akustische Phänomene darstellen oder aufzeichnen konnte. So schuf der deutsche Akustiker Rudolph Koenig 1862 ein Gerät, bei eine Gasflamme durch Schallwellen so moduliert wurde, dass man die Töne durch einen Drehspiegel projiziert tanzen sehen konnte. Fünf Jahre davor hatte der Buchhändler Édouard-Léon Scott de Martinville den Phonautographen erfunden, eine Maschine, bei der Schallwellen mit einer Sauborste auf einen kohlegeschwärzten Glaskolben geschrieben wurden.

Obwohl Scotts Intention lediglich war, Schall visuell darzustellen, gelang es im Jahr 2008 US-Wissenschaftlern eine Phonautograph-Aufzeichnung aus dem Jahr 1860 abspielbar zu machen. Mit allerlei Softwaretüftelei gelang ihnen damit die Wiedergabe der ältesten reproduzierbaren Tonaufzeichnung überhaupt – zehn Sekunden eines französischen Kinderlieds, gesungen vom Erfinder des Phonautographen.

Rekonstruierte Aufnahme von Au Clair de la Lune (1860)

Quellen / Weiterführende Links

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