Schlappe Scheidung auf Katholisch

Gefäße im menschlichen Kopf (wikimedia commons)

Gefäße im menschlichen Kopf (wikimedia commons)

Papst Franziskus verkündete heuer bereits, dass eine Trennung von Eheleuten manchmal, unter widrigen Umständen, gar nicht so schlecht sei. Damit bricht das katholische Kirchenoberhaupt beinahe ein Tabu, denn eine Scheidung der Ehe ist nach katholischem Verständnis schlichtweg nicht möglich. Was vermutlich nur wenige wissen, ist jedoch, dass eine Annulierung der Ehe durchaus möglich ist. Kirchenrechtliche Voraussetzung dafür ist die Unmöglichkeit die Ehe “zu vollziehen”.

Die Historikerin Susanne Hehenberger beforschte kirchliche Ehetrennungsverfahren vom 16. bis zu 19. Jahrhundert. In rund drei Prozent der untersuchten Fälle war Impotenz der vermeintliche Grund für die Annulierung. Die “Unmacht” der meist männlichen Nichtehevollzieher musste jedoch vor Gericht bewiesen werden. Während es dazu bis ins 15. Jahrhundert noch reichte, dass sieben Zeugen die Tatsache bestätigten, wurden ab dem 16. Jahrhundert medizinische Untersuchungen bindend.

Die medizinischen Mittel umfassten dabei beispielsweise Befragungen oder visuelle Inspektion der Geschlechtsorgane. Dabei wurde von Form, Farbe und Beschaffenheit des Teils auf seine mögliche Funktionstüchtigkeit geschlossen. Vor allem, wenn keine Venenstränge zu sehen waren, konnte das als Beweis zur Impotenz dienen. Aus heutiger Sicht irritierend, wurden auch die Venenstränge hinter den Ohren untersucht. Wenn dort keine Venen sichtbar waren, konnte man auch in diesem Fall von tatsächlicher Impotenz ausgehen.

Im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts ordneten Gerichte gar Masturbation oder Beischlaf vor Augenzeugen an, um die Zeugungsfähigkeit des Mannes zu überprüfen. Der Umstand jedoch, dass dieser Beweis unter Stress auch manch’  hochpotenten Männern nicht gelang, führte dazu, dass sich diese Praxis nicht lange hielt.

Vielleicht möchte Papst Franziskus noch dieses Jahr die kirchlichen Eheregeln ändern. Gut möglich, dass die katholische Kirche Eheleuten dann endlich zugesteht, sich auch trennen zu dürfen, wenn sie sich nicht mögen, voneinander enttäuscht sind, sich hassen, oder gar Gewalt antun. Denn welcher Gute Gott möchte schon, dass man sich in seinem Namen nicht gegenseitig in Frieden lassen kann?

Update 2015-10-15: Also doch keine Neuerung. Johanna Grillmayer: Ehe und Scheidung: Vom Umgang mit dem Scheitern bei religion.orf.at

Update 2016-01-12: Na, wer sagt’s denn. Es gibt doch Erleichterungen, wenn’s Probleme gibt die Ehe zu vollziehen. Nach 300 Jahren wurde das Ehenichtigkeitsverfahren erstmals angepasst. Nunmehr entscheidet eine einzige Instanz (und nicht zwei), ob eine Ehe Gültigkeit besitzt oder nicht: Kürzere Verhahren: Papst erleichtert Eheannulierungen bei religion.orf.at

Quellen / Weiterführende Links

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