Tagebuch eines Irren #16

Als ich klein war, lebte ein Junge namens Pavel in unserer Nachbarschaft. Er war ein sehr zurückhaltender Charakter und hatte kaum Freunde. Vor einigen Jahren traf ich ihn, und er erzählte mir, dass er beschlossen habe zu verschwinden – er wolle sein Leben künftig in einer Kommune auf einer der Kapverdischen Inseln verbringen. Auf meine Frage nach dem Grund für diesen Entschluss kramte er ein altes Tagebuch hervor und übergab es mir mit der Aussage, ich würde alles verstehen, „wenn du DAS nur liest“. Da wir Pavel wohl nie wieder sehen werden und er sowieso meinte, ich könne mit dem Tagebuch machen, was ich wolle, wird es nun hier Stück für Stück veröffentlicht. Denn ich (alleine) verstehe nicht ganz, was ihn wohl bewegt hat.

Liebes Tagebuch,

ich weiß ich habe dich schwer vernachlässigt in letzter Zeit, doch das macht nicht, es redet ja sonst auch
keiner mit dir. Nachdem ich alles gesehen hatte, beschloss ich die Radioaktive aus dem ganzen zu ziehen und
Priester zu werden. Anna, mein neues Haustier, ist noch nicht stubenrein und ich finde auch kein Buch über
Waldressur. Doch ein Wal ist ein gemütliches Haustier, nur einmal im Monat Gassi zu gehen ist praktisch. Nur
die Häuserblocks, die Anna zuscheißt, bedürfen einer Reinigung durch das Abrisskommando. Gestern ist mir ein
Stein von Herzen gefallen – genau auf meinen kleinen Zeh – Das tut weh! Danach griff ich in die Steckdose, da
ich mich so ausgebrannt fühlte, doch dann war ich ver-. Da ich mich nicht besonders mag, habe ich vorgestern
versucht mich selbst am Arsch zu lecken. Ich brauchte nur zuvor die Hand herausnehmen, ein wenig durchdehnen
und alles war im Arsch. Sakramente des Unheiligen, alle Schriften der Meute, die vor uns gelebt, teilt uns mit
wie alles geschah – wie kam dieser Gedanke in meinen Kopf, der mich vom Leben abhält, der Gedanke.

Pavels Illustration #16

Pavels Illustration #16 Selbst am Arsch lecken

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