Tagebuch eines Irren #21

Als ich klein war, lebte ein Junge namens Pavel in unserer Nachbarschaft. Er war ein sehr zurückhaltender Charakter und hatte kaum Freunde. Vor einigen Jahren traf ich ihn, und er erzählte mir, dass er beschlossen habe zu verschwinden – er wolle sein Leben künftig in einer Kommune auf einer der Kapverdischen Inseln verbringen. Auf meine Frage nach dem Grund für diesen Entschluss kramte er ein altes Tagebuch hervor und übergab es mir mit der Aussage, ich würde alles verstehen, „wenn du DAS nur liest“. Da wir Pavel wohl nie wieder sehen werden und er sowieso meinte, ich könne mit dem Tagebuch machen, was ich wolle, wird es nun hier Stück für Stück veröffentlicht. Denn ich (alleine) verstehe nicht ganz, was ihn wohl bewegt hat.

Liebes Tagebuch,

87 dreiäugige Laufschnecken im Atomforschungszentrum CERN sehen 10 mal soviel wie ein Mensch, schreiben Sie, die Wissenschaftler. Ich frage mich natürlich, wo da der Sinn bleibt. Vielleicht irgendwo im Ural mit 7 Flaschen Vodka. Ich weiss nicht mehr, wo die Zeiten sind, die verloren scheinen. Doch Zeiten zu verlieren ist schier unmöglich im Angesicht der globalen Überwachung, in der jede Dildo-Cam vernetzt ist. Ich habe schreckliche Angst vorm grossen Bruder, dessen Brüder amerikanische Kampfboxer sind, gefährlich. Salbeitee könnte jetzt noch helfen, um meine Nerven zu beruhigen, mit deren Spannung sich Stahlseile nicht messen wollen. Fantastisches Helferlein von tiefseetintenfisch im Walgang. Walgänge sind dunkel und gefährlich. Böses Fledermausgetier ist hier anzutreffen, unheimliches Pfeifen aus allen Ecken und kanten dieses suspekten Mileus. Glitschiger Parkettboden auf dem man droht auszurutschen und abzufahren in die ungewissen Schlunde eines Verdauungstraktes, um irgendwo in des Wales Stuhlgang zu erwachen. Final betrachtet ist die Wetterlage doch nicht relevant in Bezug auf die Walphilosophie.

Pavels Illustration #21 - Walfisch und die dreiäugige Laufschnecke

Pavels Illustration #21 – CERN, der Walfisch und die dreiäugige Laufschnecke

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