Unsterblich in den Gewässern

Turritopsis dohrnii (via flickr)

Turritopsis dohrnii (via flickr)

Egal, ob in den Geschichten, die sich um den Jungbrunnen oder der Suche nach dem Heiligen Gral ranken oder bei Fausts Pakt mit dem Teufel, das Bezwingen der Vergänglichkeit scheint ein dem Menschen zutiefst innewohnender Wunsch zu sein.
Doch was uns, die wir uns als Krone der Schöpfung sehen wollen, verwehrt bleibt, ist für ein kleines 4-5 Millimeter großes Lebewesen, das auch im Mittelmeer zu finden ist, eine Selbstverständlichkeit. Turritopsis dohrnii, früher auch als Turritopsis nutricola bezeichnet, gehört zu den Quallen und hat als einziges, bekanntes Lebewesen die Fähigkeit sich zu verjüngen, anstatt am Ende seines Lebens zu sterben. Diese Ungeheuerlichkeit brachte ihr auch die Beinamen „unsterbliche Qualle“, beziehungsweise „Benjamin-Button-Qualle“ ein.

Über die Mechanismen, die dieser Rejuvenation zugrunde liegen, weiß man noch sehr wenig. Klar ist, dass die Qualle nach erfolgreicher Vermehrung, bei zu geringer Wassertemperatur oder bei Nahrungsknappheit, wie tot auf den Meeresgrund sinkt. Dort  zersetzt sie sich quasi, und aus dieser Masse entsteht ein genetisch identer Polyp, die Jungform einer Qualle, die wieder altert und das Spiel von vorne beginnen lässt. Der dafür nötige Umprogrammierungsvorgang der Zelle wird Transdifferenzierung genannt, und die Möglichkeit dazu war bis zur Entdeckung der Turritopsis dohrnii nur von Stammzellen bekannt.

Entdeckt wurde der kleine Meeresbewohner durch Zufall 1988 an der italienischen Riviera. Als ein deutscher Biologiestudent das Reproduktionsverhalten einer anderen Nesselart untersuchte und dabei auch Exemplare der unsterblichen Qualle in seinen Netzen und Petrischalen landeten. Er dokumentierte seine Entdeckung, überlies die Forschungsarbeit aber einer Gruppe von Biologen aus Genua, die 1996 seine Beobachtungen in einer wissenschaftlichen Arbeit bestätigten.

Trotz ihrer Unsterblichkeit ist es anscheinend schwer die Qualle unter Laborbedingungen zu züchten. Mit über zwei Jahren hat ein japanischer Wissenschaftler die bis jetzt älteste Kolonie kultiviert. Während dieser Zeit haben sich seine Turritopsis dohrnii zehn Mal durch das Leben gekämpft und sich an dessen Ende selbst verjüngt um wieder von vorne zu beginnen.

Ein jähes Ende findet die unsterbliche Qualle im Übrigen, wenn sie im Magen-Darm-Trakt eines Fressfeindes landet, was ihr als Planktonbestandteil doch des Öfteren zum Verhängnis werden dürfte. In diesem Sinne: Gaudeamus igitur iuvenes dum sumus.

 

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