Vince Collins: Animationskünstler

Still aus Malice in Wonderland (Vince Collins / 1982 / via vimeo.com)

Still aus Malice in Wonderland (Vince Collins / 1982 / via vimeo.com)

Wenn man seine Gedanken und inneren Bilder einfach ineinander fließen lässt, überschreitet man sehr schnell die Grenze dessen, was gesellschaftlich als “normal” angesehen wird. Vermutlich sah deswegen auch Sigmund Freud in seiner Methode des freien Assoziierens einen Weg, das eigene Unbewusste zu erforschen, sich nicht durch Benimmregeln einschränken zu lassen, und so einen Schritt in Richtung “geistiger Gesundheit” tun zu können.

In diesem Sinne könnte man die Werke des Animationskünstlers Vince Collins als “freies assoziatives Animieren” beschreiben. Alles fließt ineinander, und das, was dabei zum Vorschein kommt, entspricht nicht ganz dem, was man als allgemein verträglich bezeichnen würde.

Vince Collins tat es trotzdem. Getrieben vom gesellschaftlichen Druck “jemand sein zu müssen”, verweigerte er zugleich das sein zu müssen, was andere von ihm erwarteten. Also ging er nach Hollywood, studierte Film, und begann experimentelle Animationsfilme zu schaffen. Während der 1970er konnte er mit seiner Arbeit zahlreiche Förderungen lukrieren und Auszeichnungen abräumen, darunter auch einen Student Academy Award, bis Ende der 1970er die ganze experimentelle Animationsfilm-Szene einfach verschwand.

Still aus Psycho City (Vince Collins / 2014 / via vimeo.com)

Still aus Psycho City (Vince Collins / 2014 / via vimeo.com)

Mit Malice in Wonderland kreierte er 1982 noch einen letzten handgemalten Animationsfilm, der zu seiner Zeit als Porno galt. Danach stürzte er sich auf digitales Animieren, doch die großen Erfolge blieben aus, und irgendwann lief ihm der technologische Fortschritt einfach davon.

Erst mit dem Boom von Social Media fand sich für Vince Collins wieder ein Kanal, seine Arbeiten einem größeren Publikum vorzustellen. Und auch wenn er heute bei weitem nicht so bekannt ist wie der hier schon vorgestellte Videokünstler Cyriak, kann er doch als eine Art geistiger Urvater seines Genres bezeichnet werden. Die “Mach es einfach, egal was die anderen denken!”-Mentalität von Vince Collins ist jedenfalls beeindruckend und Trift genau den Punkt.

Kurzfilm: Malice in Wonderland (1982)

Quellen / Weiterführende Links

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