Wer braucht Alaska?

G.F. Unger Sammelband 1566

G.F. Unger Sammelband 1566

Obwohl ich mich schon immer für Geschichte interessiere, kann ich sie mir nicht merken. Zuerst bin ich immer Feuer und Flamme für spannende historische Abhandlungen, zwei Wochen später ist es oft so, als hätte ich von manchen Ereignissen noch nie etwas gehört. Zum Glück gibt es unterhaltsame Lektüre, die hilft, das Gedächtnis aufzufrischen. Im vorliegenden Fall war es ein Schundwestern aus der G.F. Unger-Reihe, der mich daran erinnerte, dass Alaska einmal ein Teil von Russland war.

Im 18. Jahrhundert war das bis dahin nur von Indigenen bewohnte Gebiet Alaskas von den expandierenden Kolonialmächten Russland, Spanien und Großbrittanien umkämpft. Spätestens 1818 setzten sich endgültig die Russen durch. Sie erkannten den Wert der Region und dem damit verbundenen Geschäft mit Pelzjagd und -handel. Doch lange behielten die Russen das Gebiet nicht.

Alaska war die einzige Übersee-Kolonie Russlands und für das Königreich sehr schwer zu unterhalten. Die Pelzjagd wurde immer aufwändiger, die Kämpfe mit den Indigenen nahmen kein Ende, und der einzige Weg von der damaligen Hauptstadt Sankt Petersburg in die Kolonie nahm über ein halbes Jahr in Anspruch. Da Russland nach dem verlorenen Krimkrieg finanziell angeschlagen war, stimmte Zar Alexander II einem Verkauf Alaskas an die USA zu. Am 18. Oktober 1867 wurde Alaska offiziell an die Vereinigten Staaten übergeben. Der Preis von 4,74 Dollar pro Quadratkilometer war einer der günstigsten Landkäufe der Geschichte.

Alaska auf einer Karte von 1860, damals "Russian America" (wikimedia commons)

Alaska auf einer Karte von 1860, damals “Russian America” (wikimedia commons)

Es ist anzunehmen, dass sich die Russen seitdem schon mehrfach über den Verkauf geärgert haben. Nur 30 Jahre später begannen die großen Goldräusche in Alaska. Abertausende Glückssucher schürften und wuschen kubikmeterweise Gold aus der Erde und den Flüssen. Im Jahr 1968 wurde im Norden Alaskas eines der größten Erdölvorkommen der Welt entdeckt, das seitdem ausgebeutet wird. Die damals gefundenen Ölreserven sollen zwar bald erschöpft sein, doch stehen angeblich die nächsten Quellen zum Anzapfen bereit. Offiziell lassen sich die Russen nichts anmerken, doch fordert der russische Oppositionspolitiker Wladimir Schirinowski seit 1991 wiederholt, die USA sollen Alaska wieder zurückgeben, da der Verkauf damals rechtswidrig gewesen sei.

Wären da jedoch nicht die Bodenschätze, weiss ich nicht, ob eine Regierung unbedingt Alaska haben wollen würde. Es ist trotz allem eine recht unwirtliche und menschenfeindliche Umgebung. So gesehen war es vermutlich keine freundschaftliche Geste des ehemaligen Iranischen Präsident Ahmadinedschad, als er 2007 verlautbarte, man solle den Staat Israel doch einfach nach Kanada oder Alaska umsetzen, da es dort ja genügend Platz gebe.

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