Wie Dracula fast ein Steirer geworden wäre

Dieser Beitrag wird uns von Markus Sammer präsentiert.

„Kernöl statt Blut? Sapperlott!“ (Al Lewis als Grandpa der Munsters)

„Kernöl statt Blut? Sapperlott!“ (Al Lewis als Grandpa der Munsters)

Noch bis zum 31.10. ist im Graz Museum die Ausstellung „Carmilla, der Vampir und wir“ zu sehen. Neben allerlei interessanten Informationen über die mehr (Opa Munster) oder weniger (Twilight) charismatischen Blutsauger verblüffte mich besonders die Erkenntnis, dass der berüchtigte Graf Dracula um ein Haar ein waschechter Steirer geworden wäre.

Laut der Ausstellung dürfte der Vampirglaube wohl in Serbien entstanden sein. Später wurde er von englischen Gothic-Autoren aufgegriffen, denn die blutsaugenden Untoten gaben dankbare Protagonisten für das Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode kommende Grusel-Genre ab. 1872 veröffentlichte der irische Autor Sheridan Le Fanu seine Novelle „Carmilla“, in der eine mysteriöse junge Frau sich bei einem Witwer und seiner Tochter Laura auf deren Schloss in der Steiermark einquartiert. Die beiden Mädchen freunden sich an, doch Laura bekommt die Freundschaft mit Carmilla nicht besonders gut – sie bekommt Albträume von einem geheimnisvollen Wesen, das sich in eine Katze verwandeln kann und sie in die Brust beißt. Außerdem wird ein weiteres Merkmal von Vampiren, Sexualität, zwischen den beiden Mädchen wohl zumindest angedeutet.

Die Steiermark wählte der Autor als Schauplatz aus, da er im Reisebericht „Schloss Hainfeld oder: Ein Winter in der Steiermark“ des englischen Gentleman Basil Hall gelesen hatte, dass unser Bundesland „schwer zugänglich“ und „von dumpfen Bauernvölkern besiedelt“ sei und hier „ein zügelloser Aberglaube den verschiedensten Ängsten und Schrecken Gestalt verleiht.“

Kein Wunder, dass da auch Le Fanu irischer Landsmann Bram Stoker seinen Vampirroman ursprünglich in diesen wilden Landen ansiedeln wollte. Die Ausstellung zeigt eine Urfassung von „Dracula“, in der das Wort „Styria“ erst nachträglich vom Autor durchgestrichen und durch „Transylvania“ ersetzt wurde. Scheinbar war Stoker die Steiermark mittlerweile doch zu zivilisiert geworden und er verlegte die Handlung in das östlichere und exotischere Siebenbürgen, in Vampirkreisen besser bekannt als Transsilvanien. Viel hätte jedenfalls nicht gefehlt, und der berühmteste Vampir der Welt wäre ein waschechter Steirer geworden.

„Carmilla, der Vampir und wir“ ist noch bis 31.10 im Graz Museum in der Sackstraße 18 zu sehen. Am 31.10. kann die Ausstellung von 18:30 bis 20:30 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden. Alle unter 18 Jahren haben im Graz-Museum ohnehin freien Eintritt. Ich kann nur raten: Zubeißen. Äh, anschauen.

One thought on “Wie Dracula fast ein Steirer geworden wäre

  1. Haha: „schwer zugänglich“ und „von dumpfen Bauernvölkern besiedelt“. Mancherorts hat sich nicht so viel geändert ;-)

    Super Artikel! Werd mir die Ausstellung auf jeden Fall noch anschauen!

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