Wie verhext 101

Sportler (und auch Fans) sind im Allgemeinen ein wenig abergläubisch. Ich bin davor auch nicht gefeit. Allein, was ich mir früher alles für vermeintlich siegbringende Rituale ausgedacht habe, bis der GAK endlich Meister geworden ist – von kein Bier trinken während dem Spiel bis zu besonders viel Bier trinken, penibelst auf die richtige Adjustierung achten und natürlich das Ritual vor dem Spiel, das schon mal länger dauern konnte als der Kick selbst, war alles dabei, um den Fußballgott möglichst für mein Team zu einzunehmen (im Nachhinein gesehen hätte ich besser die Götter der Finanzstabilität angerufen damals).

Das alles mag man als Marotten irgendwelcher Spinner abtun, und ich würde mich keineswegs nicht als ein solcher bezeichnen, aber manche (Un-)Serien aus der Welt des Sports lassen schon die Frage aufkommen, ob es da nicht mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Einige davon wollen wir hier mal vorstellen.

Teil 1, Béla Guttmann, Benfica Lissabon und ein 100-jähriger Fluch

Benfica Lissabon war 1961 und 1962 nach Seriensieger Real Madrid überhaupt erst der zweite Verein, der je den Europapokal der Landesmeister gewinnen könnte. Das gelang unter der Ägide des ungarischen Trainers Béla Guttmann, der seine Erfolge nach dem zweiten Europapokaltriumph vom Verein gerne in klingender Münze honoriert gehabt hätte. Sprich: Gehaltserhöhung. Der Verein lehnte ab – möglicherweise war die damalige Vereinsführung derselben Auffassung, die auch heute noch so mancher Stammtischexperte von sich gibt: Das nämlich eine brillante Mannschaft (u.a. mit dem legendären Eusebio) im Prinzip von jedem Trottel trainiert werden könnte.

Benficafans: Kein Zweifel – der Guttmann-Fluch hat wieder zugeschlagen
(via morgenweb.de)

Guttmann war jedenfalls über die verweigerte Gehaltserhöhung alles andere als amused und schmiss seinen Job hin, nicht ohne den Verein noch deftig zu verfluchen: In den nächsten 100 Jahren wird Benfica keinen Europapokal mehr gewinnen, kündigte er an. Und was soll man sagen?

Seit damals, also seit mittlerweile knapp 55 Jahren, hat Benfica keinen europäischen Titel mehr gewonnen. Nicht, dass sie keine Gelegenheit dazu mehr gehabt hätten: Seit 1963 haben die Lissaboner sage und schreibe 8 (!) Europacupfinals in Folge verloren – das erste gleich im Jahr nach Guttmanns Abgang 1963, die letzten beiden 2013 (durch ein Tor in der 93. Minute) und 2014 (im Elfmeterschießen). Juventus Turin hat zwar insgesamt bereits 9 EC-Finals verloren, aber nur maximal 4 hintereinander, ohne dazwischen auch mal einen Titel abzustauben. Anzunehmen also, dass Benficas Pleiten-, Pech- und Pannen-Rekord noch eine Ewigkeit oder zwei bestehen bleiben wird.

Dieses Bild sehen wir frühestens 2062 wieder.
(via uefa.com)

Selbst dass der ehemalige Benfica-Star Eusebio vor dem Meistercupfinale 1990 in Wien Guttmanns Grab am Zentralfriedhof besuchte und seinen ehemaligen Trainer bat, den Fluch zurückzunehmen, half nichts. Genauso wenig, wie dass der Verein 2014 eine Statue von Guttmann mit zwei Europapokalen im Arm im Estádio da Luz aufstellte. Aber immerhin, mehr als die Hälfte der Zeit hat Benfica ja bereits rumgebracht…

Keine 100 Jahre wird es jedenfalls dauern, bis sich die Trift erneut einigen wie verhexten Serien im Sport widmen wird. Zumindest, solange uns nicht auch ein Fluch dazwischenkommt.

Quellen:

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