Wo Pflanzen und Bäume nach unten wachsen

Weltkarte der Antipoden (Wikimedia Commons)

Weltkarte der Antipoden (Wikimedia Commons)

Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet man als Antipoden zwei sich auf der Erdoberfläche gegenüberliegende Punkte, so dass man eine gerade Verbindungslinie durch den Erdmittelpunkt legen könnte. Australien und Neuseeland gelten etwa als Antipode Europas, von der aus die Ashton Brothers mit 25 Pferden nach England segelten.

Aus heutiger Sicht ist die Idee, dass unter uns Menschen leben die uns mit den Fußsohlen zugewandt sind, nicht mehr so radikal. Die Welt ist ein Dorf und viele von uns haben sich sozusagen schon einmal auf den Kopf gestellt. Für den lateinischen Rhetoriklehrer und Kirchenvater Laktanz (250–325 n. Chr.) war die Vorstellung von Antipoden schlichtweg absurd: „Was verkünden denn jene, die meinen, es gebe Antipoden, die uns die Füße zukehren? Ja, wer ist denn so töricht wie der, der glaubt, es gebe Menschen, deren Füße über den Köpfen sind? Oder wo das, was bei uns herunter zeigt, nach oben hängt? Wo Pflanzen und Bäume nach unten wachsen? Wo Regen und Schnee und Hagel zur Erde nach oben fallen?“

Später im Mittelalter war zwar die Kugelgestalt der Erde weitestgehend akzeptiert, jedoch war die Vorstellung verbreitet, dass in der Äquatorgegend eine derart große Hitze herrsche, die eine Durchquerung unmöglich mache. Aus diesem Grund könne niemand auf die andere Hälfte der Erde gelangt sein. Außerdem glaubte man, die Erdkugel sei mit Ausnahme der Erteile Asien, Afrika und Europa gänzlich von Wasser bedeckt.

Erst die Berichte von Kolumbus und anderen Entdeckern führten schließlich zur Einsicht, dass auf der uns abgewandten Erdseite doch Leben möglich sei.

Comment this ...

(Your email address will not be published)