Zabibah und der König

via Wikimedia Commons

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Ja, es ist wahr! Saddam Hussein hat einen Liebesroman geschrieben.

Der Autor war von 1979 bis 2003 Staatspräsident und (mit kurzer Unterbrechung) diktatorisch regierender Premierminister des Irak. In dieser Zeit hat er den Roman geschrieben, der im Jahr 2000 zunächst anonym im Irak erschien.

Die Journalistin Cosima Lutz hat das Buch sogar gelesen und für Die Welt eine Kritik geschrieben, die mittlerweile zwar schon über zehn Jahre alt aber dennoch unterhaltsam zu lesen ist.

Der wegen des Massakers an Schiiten und Kurden zum Tode verurteilte und hingerichtete Hussein offenbart in dem Roman einen Einblick in seine Weltanschauung. Das wird schon an den Figuren des Romans deutlich die das Middle East Forum 2002 aktuellen Ereignissen allegorisch zuordnete:

  • ‘Arab – Hauptfigur; ein einsamer, unglücklicher König; Charakter Saddam Husseins
  • Zabibah – arme Frau in unglücklicher Ehe, von ‘Arab begehrt; das Volk des Irak
  • Zabibahs Ehemann – grausam und namenlos; die USA
  • Hezkel – Emir und Gegenspieler ‘Arabs. Zabibah lebt in der Nähe seines Palastes; repräsentiert Israel
  • Shamil – weiterer Feind von ‘Arab; steht für Händler und Juden
  • Nuri Chalabi – ein Feudalherrscher und Gegenspieler von ‘Arab. Steht für Ahmad Tschalabi

Die Handlung ist eigentlich schon bekannt: Das einfache Mädchen Zabibah und der mächtige Herrscher ‘Arab verlieben sich ineinander, worauf Zabibah von ihrem kaltherzigen Ehemann vergewaltigt wird. Der namenlose Ehemann stellt dabei die USA dar und die Vergewaltigung soll offenbar allegorisch für den Einzug von U.S.-Truppen in den Irak während des Golf Krieges gelesen werden.

Wer also auf der Suche nach politisch angehauchtem Lesestoff ist, sollte diese Perle in Betracht ziehen…

  • Saddam Hussein: Zabibah und der König. Aus d. Arab. v. Doris Kilias. TBV, Bad Wiessee-Holz. 208 S.

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