Zum Überkommen der Höhenangst

Angst ist ein schlechter Ratgeber!“, sagt uns der Volksmund und hat recht. Zwar ist Furcht ein körperlicher Ausdruck verinnerlichter Gefahren und warnt uns davor in manchen Situationen Schaden zu nehmen, doch wäre es bedauerlich, die Angst zur Wahrheit letzten Schluss zu machen. Als Vernunftwesen verfügen Menschen für gewöhnlich über die Gabe die objektive Gefahr einer Situation einzuschätzen, zu respektieren und vernunftgeleitet zu handeln. Deshalb denke ich, dass man sich in der geduldigen Konfrontation mit eigenen Gegenständen der Angst viel Freiheit erarbeiten kann.

Konkret kann das in etwa so aussehen: Ich komme aus dem Gesäuse und war schon von Kindesbeinen an sehr viel Bergsteigen und Klettern. Das Bewegen in ausgesetzter Höhe ward’ mir quasi zur zweiten Natur geronnen… dachte ich. 30 Jahre später, nach viel Stadtleben und vergeistetem Sein, machten mir die Höhe und das Runterschauen Angst. Ich hatte Panik beim Klettern und musste mir überlegen, ob ich diesen Stress weiterhin will.

Ich wollte nicht auf vielen schönen Momente verzichten, die ich noch in luftiger Höhe erleben werde, und so suchte ich mir eine Übung, um meine Angst wieder in gesunden Respekt zu wandeln: Am höchsten Punkt des Grazer Schloßbergs, beim Hackher-Denkmal, verläuft eine Mauer, die links und rechts rund 10 Meter abfällt. Sie ist einen halben Meter breit und eigentlich sehr wegsam. Mein Ziel war, über diese Mauer gehen zu können, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen.

Blick von der Mauer

Also ging ich mindestens einmal pro Woche auf den Schloßberg und schritt die ersten zwei Schritte auf der Mauer immer tapfer, nur um zwei Schritte später so viel Angst zu haben, dass ich panisch auf die Knie ging und auf allen Vieren über die Mauer krabbelte. Immer wieder musste ich mir sagen: “Wenn ich normal auf der Straße gehe, würde ich bei einem Weg mit einem halben Meter Breite weder danebensteigen, noch stolpern… Niemals!”. Und so wiederholte ich das ganze Woche für Woche.

Mittlerweile fühlt sich der Spaziergang über die Mauer ganz natürlich an. Ein leichtes Herzklopfen erinnert mich daran, dass ich vorsichtig sein muss. Und das kann ich besser, wenn ich nicht panisch bin, sondern ruhig.

Ob man die Übung auch über Video machen kann, weiß ich nicht. Probieren kann man es ja:

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