Zuses vorsichtige Vorahnungen

Konrad Zuse: Der Computer Mein Lebenswerk

Konrad Zuse: Der Computer Mein Lebenswerk

Der Deutsche Konrad Zuse baute mit dem Z3 im Jahre 1941 den ersten voll funktionsfähigen Computer. 1970 veröffentlichte er das biographische Buch “Der Computer. Mein Lebenswerk”, in dem sein Leben beschreibt und die Umstände, die zu seiner bahnbrechenden Erfindung führten.

Heute fand ich dieses Buch in der Bibliothek und musste lachen: Zur Dramatisierung des Vorworts führt Zuse in dicken Lettern futuristische “Schlagzeilen” an, die wiefolgt lauten:

  1. Computer sucht Verbrecher
  2. Kybernetik löst Regierungsproblem
  3. Elektronengehirne steuern Walzwerke
  4. Dr. med. Computer stellt Diagnose
  5. Grosse Dokumentationszentrale gibt Auskunft
  6. Gigantische Time-Sharing-Anlage bedient eine ganze Stadt
  7. Computer besiegt Schach-Weltmeister?

Anschließend schreibt er: “Nein, soweit sind wir noch nicht. Aber vielleicht morgen? Oder nie?”

Zuses Ahnungen sind heute, 44 Jahre später, mehr als übertroffen. Hier einige Beispiele:

  1. In größerem Rahmen, siehe Projekt INDECT (wikipedia). In München ist bereits ein “Predictive Policing”-System im Einsatz, das Verbrecher sucht, noch bevor ein Verbrechen begangen wurde. Philip K. Dick lässt grüssen!
  2. siehe 1. (wenn man bedenkt, dass Sicherheit eine Regierungsaufgabe ist)
  3. Automatisierungstechnik ist seit den 1980ern industrieller Standard (Elektronengehirn=SPS)
  4. Vielleicht noch nicht ganz im medizinschen Alltag angekommen, existieren zumindest schon Datenbanken zur Erstellung von Differenzialdiagnosen, sowie KI-Systeme in Entwicklung, die sehr zuverlässig diagnostizieren (siehe hier)
  5. siehe TRIFT
  6. “Gigantische Time-Sharing-Anlagen” gab es schon sehr bald in Form von Terminal-Mainframe-Systemen, heute bedienen z.B. grosse Webserver Millionen von Endpunkten/Benutzer.
  7. “Deep Blue” schlägt im Jahr 1996 den amtierenden Schachweltmeister Kasparow

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