Handschlagfreie Zone

Über die Geschichte des High five, was es mit Baseball zu tun hat, und warum die Ghettofaust gesünder ist.

Homerun History

Dusty Baker bei dem was er am besten kann (via dodgersnation.com)

Dusty Baker tut das was er am besten kann (via dodgersnation.com)

Es ist das letzte Wochenende der Baseball-Saison 1977. In den Jahren als Benzedrine, Dexamyl und LSD noch die bevorzugten Substanzen der Spieler waren und lange bevor diese von Steroiden abgelöst wurden. Die Los Angeles Dodgers sind bereits National League Champions. Dennoch bleibt das Spiel spannend, denn Ron Cey, Dusty Baker, Steve Garvey und Reggie Smith haben die Möglichkeit das erste Homerun-Quartett der Baseballgeschichte zu werden. Um zum Quartett zu gehören sind mindestens 30 Homeruns in einer Saison nötig.

Garvey, Cey und Smith reiten bereits auf der Welle. Bloß Baker fehlt noch der finale 30. Homerun. Freitag hat er kein Glück und auch Samstag trifft er nicht gut genug. Dann schließlich, als sich am Sonntag im sechsten Inning das letzte Spiel der Saison langsam zu Ende neigt… BAM! Der Ball landet in den Zuschauerrängen und Baker läuft seine Siegerrunde mit der er in den Baseball-Olymp aufsteigt.

Am Spielfeldrand steht der Rookie Glenn Burke, der gleich euphorisch wie die 55.000 Fans im Dodger Stadium jubelt und dabei seine rechte Hand triumphierend Richtung Himmel streckt. Baker weiß im Vorbeilaufen nichts anderes zu tun als mit seiner flachen Hand auf die erhobene Handfläche von Burke zu schlagen. Ein zweites BAM! geht durchs Stadion und das High five ist geboren. Von da an verbreitet sich die Geste wie ein Lauffeuer.

Glenn Burke und Dusty Baker, Augenblicke vor dem ersten High five (via sidelinepass.com)

Glenn Burke und Dusty Baker, Nanosekunden vor dem ersten High five (via sidelinepass.com)

“Flying out of the dugout to greet Baker was Burke, a backup outfielder, his right palm raised to the skies. Baker met Burke’s extended arm with his right hand in an explosion of emotion that rocked the ballpark.“ –Lyle Spencer / MLB.com

Das High five gehört zu Identität der Dodgers (via nightowlcards.blogspot.com)

Das High five gehört zu Identität der Dodgers (via nightowlcards.blogspot.com)

Geschichten und Theorien über die Herkunft des High five gibt es viele. Die Geschichte von Glenn Burke und Dusty Baker gilt als gesichert und scheint auch am meisten Substanz zu haben. Ob es wirklich das erste Aufeinandertreffen zweier Handflächen über Kopfhöhe war, bleibt umstritten. In einem sind sich die Sporthistoriker einig: Es war das erste High five des Profisports.

Glenn Burke (via lgbthistorymonth.com)

Glenn Burke (via lgbthistorymonth.com)

Während sich in der Zeit darauf das High five in alle Kreise der Gesellschaft und alle Ecken der Welt verbreitete, entwickelte sich Glenn Burke zum Ausnahmesportler und exzellenten Outfielder (das sind die Typen die weit weg stehen und die Bälle fangen). Trotz seiner hervorragenden Physik und Beliebtheit innerhalb des Teams wurde Burke 1978 zu den Oakland Athletics gegen Billy North getauscht.

Burkes damaligen Teamkollegen sowie Sportjournalisten sind sich einig darüber, dass der Spielerwechsel nichts mit Baseball zu tun hatte sondern mit der Tatsache, dass Burke homosexuell war und daraus kein Geheimnis machte. Er war der erste Major League Baseball Spieler der gegenüber seinen Mannschaftskollegen und Eigentümern der Mannschaften während seiner sportlichen Karriere sein Coming-out hatte. Daraufhin wurde ihm vom Management der Dodgers eine Summe von 75.000 US Dollars angeboten wenn er sich mit einer Frau verheiraten würde.

Die Oakland Athletics waren schlecht für Burkes Karriere. Diskriminierungen und homophobe Trainer bremsten seine Entwicklung als Sportler. Bereits nach nach zwei Jahren bei den Athletics entschied er sich seine professionelle Sportkarriere zu beenden. Burke zog nach San Francisco und schloss sich der dort wachsenden Gay-Community an. Im Gay-Softball-Team erzielte er einen Sieg über die Mannschaft des San Francisco Police Departement. Damit verhalf er der Gay-Community sich so darzustellen wie sie es bis dahin immer versucht hatten: stark und maskulin. Jeder wußte, dass Burke das High Five erfunden hatte, und so wurde dieses schnell zum Symbol für Identifikation und Gay Pride. Burke starb 1995 im Alter von 42 Jahren an Aids.

“Think about the feeling you get when you give someone the high five. I had that feeling before everybody else!“ –Glenn Burke

Ghettofaust

Neben den zahlreichen Ausformungen des High five – up high, down low, victim miss, etc. – hat sich auch der Fist bump weit verbreitet. Diese Geste hat gegenüber dem High five eine weniger feiernde Komponente sondern ist vergleichbar mit einem Handschlag oder wird als Zeichen des Respekts eingesetzt.

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Die Obamas pflegen Handhygiene (via Wikimedia Commons)

Auch die Herkunft des Fist bump ist gut überliefert: In den späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert setzte sich die Geste als Handschlag für Boxer durch. Damals wurden Boxhandschuhe verpflichtend und Bareknucklekämpfe verloren an Popularität. Mitglieder von Motorradgangs verwendeten die Geste später als Ersatz für einen Handschlag wenn sie sich an Ampeln begegneten. Aufgrund der Handhaltung auf dem Motorrad ist ein kurzer Fist bump leichter auszuführen als ein förmlicher Handschlag.

Seit einigen Jahren ist die Fist bump wieder überall zu sehen. Vielleicht ausgelöst durch “the fist bump heard ’round the world“ zwischen Barack und Michelle Obama am 3. Juni 2008…

Hygiene

Wie das Institute of Biological, Environmental and Rural Sciences at Aberystwyth University in Wales herausfand, sind High fives doppelt und Fist bumps rund 20 mal hygienischer als konventionelle Handschläge. In den Tests wurde bestätigt, dass sich Escherichia coli Bakterien in einem sehr viel geringeren Ausmaß übertragen. Die Größe der Berührungsfläche, sowie die Dauer und der Druck der Berührung sind hierbei die wesentlichen Faktoren.

In einem Essay das im Juni im American Medical Association veröffentlicht wurde, schreiben Experten der University of California, Los Angeles, dass Handschläge in Krankenhäusern bald ähnlich unpopulär werden würden wie Zigaretten. Sie empfehlen sogar Schilder mit folgendem Text anzubringen:

“Handshake-free zone: to protect your health and the health of those around you, please refrain from shaking hands while on these premises.”

Die Kollegen der Aberystwyth University hingegen, empfehlen Doktoren ihre Patienten per Ghettofaust zu begrüßen.

Prifysgol Aberystwyth University researchers David Whitworth and Sara Mela determined that handshakes spread 20 times more germs than fist bumps. (Prifysgol Aberystwyth University)

Prifysgol Aberystwyth University Forscher David Whitworth and Sara Mela (Prifysgol Aberystwyth University)

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