Junge Paare auf Bänken

Führt einen sein Weg zurzeit durch einen der Grazer Parks, so kann man sie allen Orts sehen, die jungen verliebten Paare auf den Bänken. Und bei diesem Anblick fällt mir immer wieder ein Lied eines großen deutschen Liedermachers ein, der schon lange hier auf Trift von mir besprochen werden hätte sollen. Doch auch heute muss…

Heil! Kunde in Namibia?

Das heutige Namibia war einst die größte Kolonie des deutschen Reichs, genannt “Deutsch-Südwestafrika”. Man sagt, dass bis heute ein nicht unbedeutender Teil der dort lebenden Deutschnamibier von der sozialdarwinistischen Geschichte der Kolonialzeit geprägt ist. Auch fanden Nationalsozialismus und Apartheidpolitik bei großen Teilen der weißen, deutschsprachigen Minderheit Anklang. In der heutigen Regierungspolitik spielen diese Strömungen zum…

Ausschnitt aus Die tolle Grete von Pieter Bruegel, Loeffel im Anus

Deutsche Sprache, Schwere Sprache #7 – Ist doch toll, oder?

Sprache ist etwas Tolles. Sie ist stetem Wandel unterworfen, und die Beschäftigung damit kann ein wunderbares Werkzeug dafür sein, die Welt nicht allzu ernst zu nehmen. Da ist auch ein dilettantischer Zugang billig und recht. Toll ist auch ein gutes Beispiel für sprachlichen Bedeutungswandel. Heute als Adjektiv toll äußerst positiv besetzt, rührt es etymologisch aus…

Deutsche Sprache, schwere Sprache #6 – Boanigln

Gerne setze ich mich mit regionalen Sprachschätzen in Österreich auseinander. Eine dieser Raritäten ist das Wort Boanigln. Boanigln beschreibt den Schmerz, der empfunden wird, wenn Füße oder Hände derart ausgekühlt sind, dass es beim Erwärmen dieser Extremitäten zu gnadenlosen Schmerzen kommt. Medizinisch handelt es dabei schon um eine Erfrierung (lat. congelatio) ersten Grades. Es sei…

Pro Å

Ich setze mich gerne mit den Besonderheiten der in Österreich gesprochenen Dialekte auseinander. Immerhin sind die ja gewissermaßen die Muttersprache der meisten hiesigen Bewohner. Doch Sprache ist stetem Wandel unterworfen und es sieht so aus, als würden viele der lokalen Sprachschätze, langsam aber doch, ins Unbekannte abdriften. Ich bin nicht der Meinung, dass Sprache krampfhaft…

Wir brauchen dieses Wort!

Tsundoku ist mein neues Lieblingswort, das es im Deutschen nicht gibt. In Japan beschreibt es den Zustand, Bücher zu kaufen und sie zu Hause zu stapeln anstatt zu lesen. Ich persönlich habe eine gewisse Hassliebe zu Tsundoku entwickelt. Einerseits inspiriert es mich, die Bücher um mich zu haben, die ich als nächstes lesen werde, andererseits habe…

Wem gratuliert der Gratulant?

Als ich vor einigen Wochen einen Text verfasste, geriet ich ins Stocken, da mir das Gegenstück zum Begriff “Gratulant” partout nicht einfallen wollte. Ich dachte, wenn es ein Fremdwort für Personen gibt, die Glückwünsche aussprechen, dann wird es wohl ein passendes Pendant für diejenigen geben, die diese Glückwünsche entgegennehmen. Nach einigem Nachschlagen und Recherchieren war…

So viele Bezeichnungen für Schnee

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass es in DER “Sprache der Eskimos” extrem viele Wörter für Schnee gibt. Tatsächlich sind weder die Eskimo eine einheitliche Volksgruppe, noch sprechen sie eine einheitliche Sprache. Zudem gibt es auch in anderen Sprachen sehr viele Bezeichnungen für unterschiedliche Schneequalitäten. Um dem Mythos noch etwas mehr Brisanz zu verleihen,…

Tanz den Eiertanz!

Jedermensch kennt die Redewendung “einen Eiertanz [um etwas] machen”. Sie kommt meist dann zum Einsatz, wenn jemand vorsichtig mit einer Angelegenheit umgeht bzw. sehr lange zögert eine Entscheidung zu treffen, um etwaige Probleme zu vermeiden. Woher die lautmalerische Wendung kommt, und ob es wirklich einen Eiertanz gibt, ist das Thema das heutigen Beitrags. Eine historische…

Deutsche Sprache, schwere Sprache #5 – Von Liebhabern und Dilettanten

Über eine Geschichte mit dem Namen “Von Liebhabern und Dilettanten” würde ich denken, es geht einerseits um Liebe, Sex und Affären, anderseits um stümperhafte Amateure, die peinlicherweise glauben, eine Ahnung von dem zu haben, was sie machen. Doch die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. Liebhaberei und Dilettantismus sind hier nur zwei Beispiele…

Deutsche Sprache, schwere Sprache #4 – Der Sittenstrolch

Eine lebende Sprache ist immer in Bewegung. Erfolgreiche Kommunikation erfordert daher, sich im Klaren darüber zu sein, mit welcher symbolischen Bedeutung ein Wort beladen ist bzw. wie es verstanden wird. Dabei sollte man sich nicht unbedingt an der Wortherkunft orientieren, denn die kann trügerisch sein. Ein gutes Beispiel für eine etymologische Falle ist das Adjektiv…

Hör auf deinen Körper

Durch die Wälder, durch die Auen // Zog ich leichten Sinns dahin. –Johann Friedrich Kind, Der Freischütz In der Schule lernte ich noch, dass der Mensch mit läppischen fünf Sinnen ausgestattet ist. Diese Beschreibung der menschlichen Sinneswahrnehmung geht auf Aristoteles zurück: Sehen Hören Riechen Schmecken Tasten Trift nimmt seinen Bildungsauftrag wahr und deshalb korrigiere ich:…

Deutsche Sprache, schwere Sprache #3

Es ist mir bis heute unerklärlich, warum sich die FPÖ kaum mit den deutschen Migranten in Österreich auseinandersetzt. Die Mehrheit der Nicht-Österreicher in Österreich sind immerhin deutsche Staatsbürger, und laut dem “Handbuch freiheitlicher Politik” lehnt die Partei “Bis auf weiteres … jegliche Zuwanderung ab”. Vielleicht liegt es daran, dass die Freiheitlichen Österreich als Teil “der…

Lost in Translation – Erikativ

Zu den vielen Verdiensten der Micky-Maus-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs gehört auch, den Erikativ in unserer Sprache populär gemacht zu haben. Deshalb heißt er ja auch so wie er heißt. Nur humorlose Menschen nennen ihn Inflektiv. Kompliziert ausgedrückt wird der Erikativ gebildet aus der infiniten und unreflektierten Verbform unter Weglassen der Infinitivendung. Einfacher ausgedrückt: quietsch, seufz,…