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Der Zaun der alles änderte

Wer sich Ziegen mietet, dem wird der Zaun gleich mitgeliefert. Das hat mich gleich an die Fence Cutting Wars zwischen amerikanischen Farmern und Rinderzüchtern erinnert.

Eine Fence Cutting Gang © S. D. Butcher, 1885

Am Ende des 19. Jahrhunderts, als der Wilde Westen zunehmend besiedelt wurde, begannen Rinderzüchter ihr Land großflächig einzuzäunen um Ansprüche von Siedlern und Farmern entgegenzuwirken. Die Siedler sahen die Zäune als eine Abgrenzung des offenen Landes und begannen damit die Zäune zu durchschneiden und so das Land wieder als Gemeingut zugänglich zu machen.

Die Einzäunungsmaßnahmen der Züchter hängen maßgeblich mit der Erfindung des Stacheldrahtes zusammen. Früher wurden Felder und Weiden von Steinwällen, Holzzäunen und Hecken begrenzt. In den Great Plains des amerikanischen Westens fehlten jedoch Rohmaterialien für derartige Zäune. Maschendrahtzaun wurde zwar vor dem Stacheldraht entwickelt, stellte für die großen Weidetiere aber kein ausreichendes Hindernis dar. Schließlich meldete Joseph F. Glidden 1873 ein Patent für miteinander verdrehte Spanndrähte mit einem fixierten Stachel an.

Allein die XIT Ranch hatte im Jahr 1885 bereits über 190.000 Hektar Land legal eingezäunt. Es wird geschätzt, dass im selben Jahr fast 2 Millionen Hektar illegal eingezäunt wurden. Daraufhin setzte ein Kampf um das Land ein, der sich von Texas bis Montana erstreckte. Viele kleine Rinderzüchter gehörten zu den Verlierern, denn die großen Rinderranches waren oft mit viel Kapital ausgestattet und heuerten mitunter Scharfschützen an, welche Rivalen daran hinderten die Zäune zu durchschneiden. Die Fence Cutting Wars dauerten in einigen Gegenden bis in die frühen 1890er Jahre an, doch weder mit Waffengewalt, noch mit rechtlichen Mitteln ließ sich die Ausbreitung der Zäune verhindern.

Auch die natürliche Migration der halbwild lebenden Longhorn-Rinder wurde durch die Zäune verhindert, wodurch die Erfindung nicht nur vielen Menschen sondern auch tausenden Tieren das Leben kostete.

Quellen:

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