Überlebende Abstürzer

Was ist die größte Höhe aus der jemals ein Mensch einen Sturz ohne Fallschirm überlebt hat? Die Frage erlaubt mehrere Antworten, denn es gibt Zweifel an so mancher Geschichte. Andere Geschichten sind wiederum gut belegt und sehr erstaunlich. Hier gibt’s nun einige zum Nachlesen:

Nummer 1: Vesna Vulović

Vulovics Flugzeug nach dem Absturz ((c) ČTK via zpravy.idnes.cz)

Vulovics Flugzeug nach dem Absturz ((c) ČTK via zpravy.idnes.cz)

Dem Guinness Buch der Rekorde zufolge, gilt die Ex-Jugoslawin Vesna Vulović als Rekordhalterin für den höchsten überlebten Sturz. Im Jahr 1972 zeriss eine Bombe kroatischer Extremisten das Flugzeug, in dem sie als Stewardess tätig war, in 10500 Metern Höhe. Vulović saß zum Zeitpunkt der Explosion angeschnallt im Heckteil. In spiralförmiger Flugbahn fiel sie in Richtung Erdboden und “landete” schließlich in einem schneebedeckten Hang. Sie überlebte schwer verletzt, obwohl ihr der zuständige Arzt nach Transfusion von vier Litern Blut kaum mehr Chancen einräumte.

Nach einer 2009 veröffentlichten Recherche des ARD erscheint es jedoch als plausibler, dass das Flugzeug in Wirklichkeit von der tschechoslowakischen Luftwaffe aus einigen hundert Metern Flughöhe abgeschossen wurde, weil es aufgrund eines Notfalls über “sensibles militärisches Gebiet” gelangt war. Ohne endgültigen Beweis dieser Version bleibt Vesna Vulović die Person, die den höchsten Sturz ohne Fallschirm überlebt hat.

Nummer 2: Juliane Koepcke

Juliane Koepcke (Wikimedia Commons)

Juliane Koepcke (Wikimedia Commons)

Die Deutsche Juliane Koepcke überlebte zu Weihnachten 1971 den Absturz einer Turboprop-Maschine aus 3000 Metern Höhe. Das Flugzeug war von einem Blitz getroffen worden, zerbrach, und stürzte mitten in den Peruanischen Urwald. Angeschnallt auf ihrem Sitz kam Juliane Koepcke mit relativ leichten Verletzungen davon – als Einzige von 92 Personen. Trotz ihrer Verletzungen wanderte und schwamm sie zehn Tage durch den Dschungel, bis sie einen Unterstand von Waldarbeitern fand. Am Abend des darauf folgenden Tages wurde sie dort völlig entkräftet gefunden und zur ärztlichen Versorgung in die Zivilisation zurückgebracht. Ihre Geschichte wurde zweimal verfilmt.

Nummer 3, 4 und 5: I.M. Chisov, Alan Magee und Nicholas Alkemade

Die Geschichten dieser Veteranen des zweiten Weltkriegs sind deswegen so spektakulär, da alle drei im ungebremsten freien Fall aus großer Höhe fielen – ohne Fallschirm oder bremsende Wrackteile.

Ivan Mikhailovich Chisov war ein Leutnant der sowjetischen Luftwaffe. Der Bomber, auf dem er als Navigator tätig war, wurde von Deutschen Kampfflugzeugen abgeschossen. Mit dem Fallschirm am Rücken sprang Leutnant Chisov 7000 Meter über dem Boden aus dem beschädigten Flugzeug. Aus Angst vor den Deutschen Fliegern öffnete er seinen Schirm jedoch nicht und wurde ohnmächtig. Er stürzte mit einer Geschwindigkeit von rund 200 km/h in einen schneebedeckten Hang. An dessen Fuss wurde er kurze Zeit später schwer verletzt gefunden. Er überlebte und hält bis heute den Rekord des höchsten (überlebten) ungebremsten Freifalls.

Alan Eugene Magee war ein “Airman” der US-Luftwaffe. Seine Flying Fortress wurde 1943 von den Deutschen über Frankreich abgeschossen. Magee wurde bei dem Angriff zwar verletzt, konnte das Flugzeug aber noch verlassen. Da sein Fallschirm beschädigt war, sprang er ohne in die Tiefe. Er verlor schnell das Bewusstsein und krachte 6700 Meter später durch das Glasdach des Bahnhofs der französischen Hafenstadt Saint-Nazaire. Er überlebte schwer verletzt, obwohl zu den Verletzungen durch den Sturzes noch 28 Wunden von Granatsplittern kamen.

Nicholas Alkemade (via aviationtrails.wordpress.com)

Nicholas Alkemade (via aviationtrails.wordpress.com)

Nicholas Alkemade war Heckschütze an Bord eines britischen Lancaster-Bombers, als die Maschine 1944 über Berlin abgeschossen wurde. Das Flugzeug fing Feuer und zwang die Besatzung zum Aussteigen. Alkemade fand seinen Fallschirm in Flammen stehend und sprang aus dem Flugzeug in der Überzeugung, ein schneller Tod sei besser als zu verbrennen. Sein Sturz aus 5500 Metern Höhe wurde durch einige Kiefern und den schneebedeckten Waldboden gebremst. Ein verrenktes Knie und einige Schnittwunden waren seine einzigen Verletzungen. Die Deutschen nahmen ihn in Gefangenschaft, konnten seine Geschichte jedoch nicht glauben und hielten ihn für verrückt. Erst nachdem sie das Flugzeugwrack gefunden hatten, und darin den ungebrauchten Fallschirm des Heckschützen entdeckten, erklärten sie Alkemades Geschichte zum Wunder, und stellten ihm sogar ein Zertifikat zum Beweis der Tatsache aus.

Wie auch Frane Selak, dessen behaupteter Sturz aus einem Flugzeug übrigens schwerstens angezweifelt wird, schien auch Nicholas Alkemade vom Glück im Unglück verfolgt gewesen zu sein. Nach dem Krieg begann er in einer Chemiefabrik zu arbeiten. Während der Jahre seines Dienstes wurde er einmal von einem 100 kg schweren Stahlträger getroffen, ein ander Mal mit hochprozentiger Schwefelsäure angegossen. Er verletzte sich dabei kaum. Bei einem weiteren Vorfall wurde er durch einen elektrischen Schlag in einen Raum geschleudert, in dem er bewusstlos liegenblieb und 15 Minuten lang Chlorgas einatmete – eine Zeitspanne, die normalerweise tödlich ist. Wieder überlebte Nicholas Alkemade und hatte eine weitere unglaubliche Geschichte zu erzählen. Er starb 1987 im 85. Lebensjahr.

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