Autonomie durch Autotomie

Auch Seesterne sind der Autotomie fähig (Bild: wikimedia commons)

Auch Seesterne sind der Autotomie fähig (Bild: wikimedia commons)

Im Tierreich spricht man von Autotomie, wenn Tiere die Fähigkeit haben, einen Körperteil abzuwerfen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Hierzulande kennen wir das hauptsächlich von Eidechsen. Die können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen, wodurch der Angreifer im besten Fall abgelenkt wird, und die Echse flüchten kann.

Neben Eidechsen besitzen auch einige weitere Arten die Fähigkeit zur “Selbst-Schneidung” (griechisch auto-tomie). Seegurken, Seesterne, Regenwürmer, Weberknechte, und mit zwei afrikanischen Stachelmausarten gibt es sogar Säugetiere, die lieber ein kleines Opfer bringen als ganz drauf zu gehen.

Für Menschen ist es anatomisch nicht möglich, einfach einen Körperteil abzuwerfen, um sich selbst zu schützen. Da er aber ein Kulturwesen ist, wäre Autotomie wohl anders zu definieren. Sich von Menschen, Orten, Institutionen, Mustern zu trennen, die ein tief ins Ich verwobener Teil des Lebens sind, kann weh tun, auf Dauer jedoch das eigene Überleben sichern bzw. das Leben verbessern.

Autonomie durch Autotomie kann langfristige Verbesserungen bringen. Ob es nun die Arbeit ist, der man schon lange Zeit nachgeht, die aber eigentlich zermürbt, Freunde, die man seit Kindheit kennt, deren Einstellung man eigentlich nicht mag, oder eigene Gewohnheiten, die keiner mehr braucht… die Liste der möglichen Dinge, die man historisch bedingt mag, auf Dauer jedoch oft traurig machen, lässt sich weit fortführen.

Ich finde, es ist immer eine Überlegung wert, ob man nicht manche Dinge im Leben hinter sich lassen sollte. Ein selbstbestimmtes Leben zeigt sich ja meist nicht in dem, was wir tun, sondern in dem, was wir nicht tun, wo wir nicht mitmachen.

Quellen / Weiterführende Links

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