Paracelsus’ Finte

Paracelsus (vermutlich  Stich von Augustin Hirschvogel / 1540 via wikimedia commons)

Paracelsus (vermutlich Stich von Augustin Hirschvogel / 1540 via wikimedia commons)

Wer kennt ihn nicht, den Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493–1541). Natürlich ist er heute besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, und gewöhnlich wird nur eine seiner Lehren immer wieder rezitiert, nämlich dass die Dosis das Gift mache:

 „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ (Septem Defensiones 1538)

Paracelsus hielt wenig von der rein theoriebasierten Medizinerausbildung seiner Zeit. Er sang ein Loblieb auf die Lehre aus der Praxis als Heiler, was ihm zahlreiche Feinde und Mißgönner in der angesehenen Ärzteschaft einbrachte. Nichtsdestrotrotz gelangte Paracelsus zu beachtlichem Ruhm. Zu verdanken ist dies vermutlich einer seiner wirksamsten und gleichzeitig auch gefährlichsten Erfindungen – der Opiumtinktur. Sein Laudanum, wie er die Tinktur selbst taufte, bestand zu 90 Prozent aus Wein und zu rund 10 Prozent aus Opium. Es hatte nicht nur lebensverlängernde Wirkung, sondern half auch gegen Schmerzen und Hysterie, weswegen es auch “überdrehten” Kindern bedenkenlos verabreicht wurde.

“Laudanum” wurde im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts zum Synonym für “Schmerzmittel”. Quer durch alle Gesellschaftsschichten nahmen es Menschen ein, um sich gegen allfällige Wehwehchen zu behelfen. Dass es auch süchtig machte, wurde erst später, Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend problematisiert –  verboten wurde es erst zu Beginn des 20. Jhdts., als medizinische Alternativen zur Verfügung standen.

Eine Flasche Laudanum aus dem 19. Jh. mit vorgeschlagener Dosierung für Kinder ab 2. Monaten

Eine Flasche Laudanum aus dem 19. Jh. mit vorgeschlagener Dosierung für Kinder ab 3 Monaten

Paracelsus’ Lehre besagte, dass grundsätzliche alle Erkranungen auf einem Ungleichgewicht der drei fundamentalen, den Körper ausmachenden Grundsubstanzen basieren: Schwefel (Sulphur), Quecksilber (Merkurius) und Salz (Sal). Diese Lehre konnte sich nicht weiter durchsetzten, und Paracelsus selbst starb vermutlich 41-jährig an einer Quecksilbervergiftung. Die Wirkung von Opiaten wird jedoch bis heute genutzt und mißbraucht. Laudanum war wohl die Finte des schlauen Paracelsus – mit diesem Allheilmittel im Gepäck war er schnell überall willkommen.

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