Sei vorsichtig, was du dir wünschst

Kürzlich haben wir schon über ein spannendes und in meinen Augen unterrepräsentiertes Thema gelesen. Genau so ein Kontrast-Phänomen wie das Boreout ist auch der Jona Komplex, die unbewusste Angst vor dem Erfolg.

Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621 (Wikimedia Commons)

Jona und der Wal, Gemälde von Pieter Lastman, 1621 (Wikimedia Commons)

Der Volksmund kennt das Phänomen: „Sei vorsichtig, was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen.“ Doch der breiten Masse ist nicht bewusst, dass die Angst vor dem Gelingen gleich lähmend wirkt wie die Angst vor dem Scheitern. Die Gründe für die Angst sind vielfältig, hängen jedoch oft damit zusammen, dass mit Erfolg eine höhere Verantwortung und ein Leben abseits der gesellschaftlichen Norm einhergehen könnte.

Der Begriff Jona Komplex geht auf die biblische Geschichte des Propheten Jona zurück. In dieser wird erzählt, wie Jona von Gott den Auftrag erhält, nach Ninive zu gehen und der Stadt und ihren Bewohnern ob ihrer Bosheit ein Strafgericht Gottes anzudrohen. Jona weigert sich erst, geht dann nach Umwegen und nachdem er drei Tage im Magen eines Wals verbracht hatte, doch nach Nivine und verkündet den Bewohnern, dass noch vierzig Tage bis zur Zerstörung der Stadt bleiben. Die Prophezeiung löst bei den Niniviten eine Bußbewegung aus, die die ganze Bevölkerung einschließlich der Tiere umfasst. Die Buße führt dazu, dass Gott die Stadt begnadigt.

Jona gerät durch die Begnadigung in großen Zorn und er wünscht sich den Tod. Das Ende der Geschichte bleibt offen. Zum Schluss spricht Gott zu dem enzürnten Propheten:

„Dich jammert die Staude, um die du dich nicht gemüht hast, hast sie auch nicht großgezogen, die in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb; und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen sind, die nicht wissen, was rechts und links ist, dazu auch viele Tiere?“ (Jona 4, 10 f. nach der revidierten Luther-Übersetzung von 1984).

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