Steingeld

via Wikimedia Commons

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Die Zeit Online hat kürzlich unser Thema aufgegriffen und stellt die Frage ob Bitcoins sogar die Griechen retten können. Das nehme ich gleich zum Anlass über eine weitere Währung zu schreiben: Rai, das schwerste Zahlungsmittel der Welt.

Die Herstellung von Rai, auch Steingeld genannt, wurde zwar 1931 eingestellt, jedoch wird es auf der Insel Ulithi in Yap, Mikronesien immer noch als Zahlungsmittel verwendet. Rai sind Steinscheiben, die einen Durchmesser von Handtellergröße bis zu 4 Metern haben können. Einige von ihnen wiegen über fünf Tonnen. Sie bestehen aus Aragonit und Kalzit, welche jedoch nicht auf der Insel vorkommen.

Die Steine mussten von Palau beschafft werden, was etwa 400 Kilometer südlich von Yap liegt. Mittels Auslegerbooten wurden die Steine in einer fünftägigen Reise auf die Insel gebracht. Besonders große Steine wurden im Meer aufgestellt und das Floß drumherum gebaut.

Zwei Steine erreichen die Insel Yap auf einem Floß. (Wikimedia Commons)

Zwei Steine erreichen die Insel Yap auf einem Floß. (via Wikimedia Commons)

Wechselt ein Stein den Besitzer, lässt der neue Eigentümer den Stein üblicherweise dort wo er ist, um sich die Schwierigkeiten des Transports zu ersparen. Wem welcher Stein gehört, wird im Gedächtnis festgehalten.

Heute wird Rai hauptsächlich bei symbolischen Geschäften genutzt; etwa wenn Land verkauft wird. Dabei wechselt der Stein seinen Besitzer, nicht jedoch seinen Standort. Nebenbei: In Yap hat Land keinen Eigentümer, es ändern sich lediglich die Nutzungsrechte.

Doch selbst Rai sind nicht inflationssicher. Da der Transport der Steine gefahrlos und billig wurde, kam es in den letzten Jahrhunderten zu einer Inflation. Der irische Immigrant David O’Keefe etwa verdiente in den Jahren von 1875 bis 1901 ungefähr eine halbe Million Dollar, indem er Kopra gegen eine Überfahrt nach Palau tauschte.

Rai hat eine lange Tradition und damit einhergehend auch eine Knigge. Das Steingeld muss zum Beispiel immer auf dem Rand stehend aufbewahrt werden; also angelehnt an Bäume oder Häuser. Es ist auf Yap gesetzlich verboten, sich auf die Steinscheiben zu setzen, zu stellen oder sie sonstwie zu zweckentfremden. Solch ein Verhalten gilt als schwere Beleidigung und wird mit Geldstrafen geahndet. Diese sind praktischerweise in US-Dollar an die Staatskasse zu zahlen.

(via Wikimedia Commons)

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