Von Würmern begraben

Regenwürmer als Ausgangspunkt und Darwin als Endpunkt der Evolution (Linley Sambourne / 1881 / wikimedia commons)

Regenwürmer als Ausgangspunkt und Darwin als Endpunkt der Evolution (Linley Sambourne / 1881 / wikimedia commons)

Charles Darwin ist in erster Linie durch seine Arbeiten zur Evolutionstheorie bekannt. Dass er sich jedoch jahrzehntelang mit Regenwürmern beschäftigte, ist nur wenigen bewusst. Angeregt wurde er dabei von seinem Onkel Josiah Wedgwood, der ihn darauf hinwies, dass Regenwürmer jeden an der Oberfläche eines Ackers liegenden Gegenstand mit ihrer Losung untergraben.

Darwin hinterließ mit seinem letzten Werk “Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer” ein Vermächtnis, das in der landwirtschaftlichen Forschung noch heute eine gewichtige Rolle spielt. So fand er beispielsweise heraus, dass Regenwürmer Wiesen, Äcker und Wälder umpflügen und so dazu beitragen, das Land urbarer zu machen. Durch ihre Tätigkeit wird der Boden durchlüftet, das Wurzelwachstum begünstigt, die Wasserhaltekapazität erhöht und die Bodenstruktur verbessert. Auch Darwins Grundthese, dass Regenwürmer Gegenstände unter die Erde bringen, trägt zum Wohle der Flora bei. Pflanzensamen, die mit Erde bedeckt sind, werden nicht nur weniger schnell von Vögeln oder anderen Tieren gefressen, sie keimen in der Regel auch erfolgreicher.

Die Archäologie verdankt der Arbeit der Regenwürmer auch einiges. Darwin war überzeugt davon, dass viele Münzen, Schmuckgegenstände, Werkzeuge oder ähnliche Objekte aus alter Zeit, wohl der Zersetzung anheim gefallen wären, wenn sie nicht durch die Ausscheidungen der Regenwürmer in tiefere Erdschichten transportiert und so konserviert worden wären. Selbiges trifft auch auf größere Objekte zu. Regenwürmer tragen in erheblichem Maße dazu bei, dass auch Steine oder Gebäude im Laufe der Zeit im Boden “versinken”. So dient ein Mühlstein im Gras beim Naturhistorischen Museum Wien seit 2009 als Anschauungsobjekt für das Einsinken von Steinen durch die Tätigkeit der Würmer. Darwin maß die Geschwindigkeit, mit der ein in seinem Garten liegender Stein versank. Es waren rund 2,2 Millimeter pro Jahr.

"Versinkender" Mühlstein beim Naturhistorischen Museum in Wien (Sandstein / wikimedia commons)

“Versinkender” Mühlstein beim Naturhistorischen Museum in Wien (Sandstein / wikimedia commons)

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