Afrikanisches Tagebuch #10 Ein Paradies mit schwarzen Flecken

Diani Beach 18. – 22.09.2019

Diani Beach ist ein kleines Paradies. Ein kleines Paradies mit schwarzen Flecken. Die Tauchbasis „Diani Marine“, in der ich eingekehrt bin, ist definitiv ein Paradies. Zumal nur wenige Gäste – nie mehr als zehn zur gleichen Zeit und jedenfalls immer wesentlich weniger als Angestellte – anwesend waren. Täglich genoss ich ein ausgiebiges Frühstück mit allem was das Herz begehrt, vor allem herrlich frische Tropenfrüchte und kenianischem Kaffee, und saß stundenlang an der Poolbar, trank Bier und tratschte mit Margarita.

Dabei stellte sich heraus, dass Wolfgang Ambros tatsächlich ein Haus in der Nachbarschaft besitzt und davor 15 Jahre lang Stammgast im „Diani Marine“ war, wo er immer eines der Gästehäuser hinterm Strand bewohnte. Auch heute noch sitzt er viel bei Margarita an der Bar, wenn er in Diani weilt, und sie konnte mir einige Geschichten aus seinem Privatleben erzählen. Wie ich entdeckte, besitzt auch Thomas Spitzer von der EAV eine Ferienanlage in Diani.

Abends ging ich immer in ein von Margarita empfohlenes Restaurant essen. Anfangs fragte sie mich noch, wo ich heute hingehen wolle, alsbald fragte nur mehr ich sie, wo ich denn heute hingehen würde. Sie bestellte dann dort einen Tisch für mich und ich wurde immer herzlichst empfangen und freundlich bewirtet. Die Restaurants waren durchwegs gute Touristenlokale mit dementsprechenden Preisen, aber auch ausgezeichneter Qualität, und ich aß die ganze Woche ausschließlich Fisch und Meeresfrüchte von erster Güte. Dazu stets ein Gläschen zumeist südafrikanischen Weißweins. Im Strandrestaurant „Diani Blue“ gab es sogar kenianischen Weißwein aus dem Grabenbruch. Auch der war nicht schlecht, mit den südafrikanischen Weinen konnte er jedoch nicht mithalten.

Das allerbeste kulinarische Erlebnis hatte ich jedoch in Ali Barbour´s Cave Restaurant. Dies ist ein Restaurant in einer natürlichen, teilweise versinterten Korallenhöhle, die oben offen ist, also den Blick auf den Himmel freigibt. Dort sitzt man bei ausgezeichnetem Essen und ebensolchem Service in der wie aus 1001 Nacht anmutenden Kulisse fünf Meter unter der Erde und schaut dabei in den Sternenhimmel. Ein definitiv einmaliges Erlebnis. Ich war gleich zwei mal dort und beendete den Abend jeweils mit einem Cocktail an der Bar.

Ansonsten schwamm ich im Pool oder im türkisblauen indischen Ozean, schaute den Affen zu, die sich im Ressort tummelten oder wanderte den endlosen, weißen Sandstrand entlang oder durch das Straßendorf Diani. Dabei bekam ich auch die andere Seite der Medaille Tourismus zu Gesicht. Die Straße war gesäumt von Souvenirständen, und da wie dort wurde man von mobilen Verkäufern verfolgt, die einem stets mit exakt dem selben Spruch versuchten, ihre Waren anzudrehen. Da im September noch Frühsaison herrscht, gab es viel zu viele Verkäufer für viel zu wenige Touristen, was es umso schwieriger machte, den nach Geschäft lechzenden Frauen und Männern zu entkommen.

War das anfangs echt nervig, bekam ich es mit der Zeit in den Griff, indem ich mir stets alles, was ich bereits in Kenia an Mitbringseln gekauft hatte, umhängte/aufsetzte/anzog und ihnen so klar machen konnte, nichts mehr kaufen zu wollen. Wenn ich abends in einem Strandrestaurant unbehelligt essen wollte, erklärte ich vorbeikommenden Strandverkäufern stets, die Bank habe bereits geschlossen, es gäbe heute kein Geld mehr. Das wirkte auch und führte mit der Zeit dazu, dass ich von denselben Verkäufern tags darauf angesprochen wurde, ob denn die Bank gerade offen habe. So entwickelten sich schließlich sogar einige nette, persönliche Gespräche abseits des Geschäftlichen.

Noch bedrückender und aufdringlicher als die Verkäufer waren diejenigen, die mit rotgeränderten Augen von Alkohol und/oder Khat einfach nur um Geld bettelten. Khat oder Miraa sind die Blätter des Khatstrauchs, die Amphetamine enthalten und daher als aufputschendes, Hunger unterdrückendes Rauschmittel gekaut werden.

Der übelste Auswuchs des Tourismus ist aber wohl der allgegenwärtige Sextourismus, der hier für beiderlei Geschlecht existiert. Überall sieht man Pärchen aus Weißen und Einheimischen, die offensichtlich nicht in einer langfristigen Beziehung leben. Besonders in der Abenddämmerung am Strand wimmelt es nur so davon, und auch ich wurde mehrfach von Frauen eindeutig und äußerst aktiv angesprochen, wobei sich diese stets nur abschütteln ließen, in dem ich sie ignorierte und einfach meiner Wege ging.

Andererseits leben hier in Diani auch viele Ausländer, vor allem Briten und Deutsche, die Restaurants oder Lodges betreiben (auch Diani Marine gehört einem Deutschen). Einige davon sind mit Einheimischen liiert und definitiv waren auch viele Stammgäste anwesend, die entweder regelmäßig kommen oder aber hier leben.

Der Höhepunkt und eigentliche Grund für meinen Aufenthalt hier war jedoch, dass ich den Tauchschein machte. Diani Marine ist eine Tauchbasis und Rashid, mein Tauchlehrer, kümmerte sich rührend und kompetent um mich. Schnell lernte ich die Theorie, machte danach meine Lehrstunden im Pool und am dritten und vierten Tag ging es schließlich zum wenige hundert Meter vom Strand entfernten Korallenriff. Das Tauchen dort war für mich als blutigen Anfänger sensationell. Die Farben und die Artenvielfalt waren überwältigend. Nebst unzähligen bunten Fischen, darunter Weißpunktkofferfisch, Trompetenfisch und Feuerfischen sah ich Tintenfische, Muränen und Schildkröten, wobei letztere eine besondere Faszination auf mich ausübten. Die Sicht war zwar durch viele Schwebstoffe im Wasser nach der Regenzeit noch recht getrübt, doch als lernender Anfänger, der auch seine Übungen unter Wasser machen musste, hat mich das nicht gestört. Ich war trotzdem vom schwerelosen Zustand in der einmaligen Unterwasserwelt sehr beeindruckt.

So genoss ich einige herrlich entspannte Urlaubstage, frönte ausgiebig dem dolce far niente und ließ mich kulinarisch verwöhnen.

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