A Festivus for the rest of us

Genervt vom vorweihnachtlichen Konsumwahnsinn? Dem von multinationalen Konzernen vereinnahmten Weihnachtsmann ebenso wenig zugetan wie einem von rechten Politikern vereinnahmten Christkind? Entsetzt beim Gedanken an alljährlich Abermillionen dahingemetzelte unschuldige Weihnachtsbäume? Lust auf ein Familienfest ganz ohne religiösen Brimborium? Dann haben wir die richtige Alternative zu Weihnachten: A Festivus for the rest of us!

Festivus ist ein säkulares, konsumfreies Familienfest, das 1966 vom amerikanischen Autor Daniel O’Keefe ins Leben gerufen und jahrzehntelang nur in der eigenen Familie praktiziert wurde, und zwar am immer Tag seines ersten Dates mit seiner künftigen Frau.

Auch die Festivus-Grußkarten versprühen simplen Charme (via steelcityskeptics.files.wordpress.com)

Der Rest der Welt wurde erst am 18.12.1997 durch eine von O’Keefes Sohn geschriebene Folge der Sitcom „Seinfeld“ mit dem hübschen Brauch vertraut gemacht. Dabei wurden auch die heute noch gültigen Festivus-Traditionen eingeführt: Der Termin am 23.12. und vor allem die Festivus-Stange.  Während in der ursprünglichen Familientradition der Festtagsschmuck eine Uhr war, die der alte O’Keefe in einen Sack steckte und an die Wand nagelte – wobei er seinem Sohn auf die Frage, was zur Hölle das bedeuten sollte, immer nur antwortete „That’s not for you to know“ – erhielt der Brauch bei Seinfeld das heute bekannte Symbol in Form einer schmucklosen Alustange. Wer sich selbst davon überzeugen will, wie weit verbreitet dies mittlerweile ist, gebe einfach mal in Google „Festivus“ ein.

Frank Costanza beim Airing of Grievances
(via womaninthrisis.files.wordpress.com)

Neben der schmucken Stange aus ungeschmücktem Aluminium ist ein zentraler Festivus-Brauch das Luftmachen des im Laufe des Jahres angestauten Ärgers im Rahmen der „Airing of Grievances“ (was übrigens am Festivus-Tisch wesentlich angebrachter, sinnvoller und weniger verheerend ist als in der Wahlkabine).

Bei dieser Tradition, die am Esstisch rund um das karge Festivus-Mahl stattfindet, sagt man den anderen Anwesenden mal klar ins Gesicht, was einen an ihnen und der Welt im Allgemeinen so alles stört. Da ist der fröhliche Familienstreit schon vorprogrammiert. Und um sicherzustellen, dass es auch ja zu Handgreiflichkeiten kommt, obwohl kein Alkohol ausgeschenkt wird, gibt es als Höhepunkt jedes Festivus die „Feats of Strength“: Dabei fordert das Oberhaupt der Familie einen Herausforderer zu einem Ringkampf heraus und Festivus ist erst zu Ende, wenn das Familienoberhaupt zu Boden gerungen wurde.

Festlich geschmücktes Heim (via festivusweb.com)

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die zahllosen Wunder, die sich immer wieder an Festivus ereignen – was vor allem daran liegt, dass alles, aber auch wirklich alles, rund um Festivus zum „Wunder“ umgedichtet werden kann. Dennoch gibt es immer wieder auf größere Wunder: In der NFL-Saison 2000/2001 erreichten etwa die Baltimore Ravens zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Playoffs, die sie vor lauter Aberglaube aber keinesfalls als solche bezeichnen wollten und die intern daher nur „Festivus“ genannt wurden. Der Superbowl hieß folglich „Festivus maximus“. Und was soll man sagen: Die Ravens haben ihn gewonnen.  Ein wahres Festivus-Wunder!

Mein Festivus-Wunder 2016: Schnee in der Sahara.

Festivus hat sich mittlerweile in Amerika und darüber hinaus zum beliebtesten weihnachtlichen Familienfest für Agnostiker, Atheisten und sonstige gottlose Gestalten entwickelt und wird traditionell am heutigen 23. Dezember gefeiert. Also ab in den Baumarkt, besorgt euch eine schön stabile Aluminiumstange, ladet eure Lieben ein, sagt ihnen endlich mal ins Gesicht, was euch alles an ihnen stört, und lasst die Feats of Strength beginnen. Happy Festivus euch allen!

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