Donnerstag, September 16, 2021
Diary

Die unglaubliche Maschine

Diese Werkzeuge haben wir zur Verfügung. Und keine Angst, der Kopierschutz ist deaktiviert. Ganz wie früher in der Version vom Schulhof. *hüstel*

1993 überraschte die Firma Dynamix mit einer originellen und in ihrer Einfachheit geradezu verblüffenden Spielidee: Einem Physikbaukasten auf dem PC. Aber nicht einfach nur das: In The Incredible Machine (nachfolgend TIM gerufen) stellen wir nicht irgendwelche langweiligen abstrakten Experimente nach, sondern vollenden halbfertige Rube-Goldberg-Maschinen. Rube Goldberg? Das war ein amerikanischer Cartoonist, der berühmt dafür war, sich Apparate auszudenken, die die einfachsten Alltagstätigkeiten auf die kompliziertestmögliche Weise erledigten. Die Fallen, mit denen Kater Tom Jerry fangen wollte, sind ein Paradebeispiel dafür. Und in TIM müssen wir als Nachwuchs-Düsentriebs eben (fiktives Beispiel) ein Goldfischglas zerbrechen, indem wir eine Bowlingkugel auf eine Wippe fallen lassen, wodurch per Seil eine Lampe eingeschaltet wird, deren in einer Lupe gebündelter Lichtstrahl eine Rakete entzündet, die in das Goldfischglas kracht. Allerdings können wir nicht einfach wild drauflos bauen, sondern haben pro Level immer nur bestimmte Teile zur Verfügung.

Ein einfacher Tutorial-Level: Wir müssen alle Dynamitstangen zur Explosion bringen – da freut sich der Pyromane.

TIM ist Knobeln pur, ohne Handlung, ohne grafischen Schnickschnack, und auch den zwar beschwingten, aber auch schnell nervenden Sound drehe ich meist gleich ab, sodass dann nur noch das Knirschen meiner grauen Zellen zu hören ist, wenn ich mich etwa meinem persönlichen Bossgegner, der Hebelwirkung, stelle. Die ersten Levels sind noch leicht zu lösen, aber bald rauchts im Oberstübchen und man muss kräftig um die Ecke denken. Umso größer dafür die Befriedigung, wenn mit einer Mischung aus Nachdenken und Herumexperimentieren ein kniffliger Level gelöst wurde. TIM schafft es mit einfachsten Mitteln, dass man sich gescheit und kreativ vorkommt. Außerdem glaube ich, dass das Spiel tatsächlich schlauer macht, weil man damit wunderbar das Querdenken trainieren kann. Ich denk mir jedenfalls öfter, wenn mir ein Geistesblitz für die Lösung eines Alltagsproblems kommt: „Danke, Incredible Machine!“.

Die Lösung lautet wie bei allen Lebensproblemen: Mehr Dynamit!

Gerade wegen seiner Reduziertheit ist TIM wie Tetris absolut zeitlos und heute noch genauso gut spielbar wie in den 90ern. Und weil man sofort drin ist und auch nach längeren Pausen jederzeit wieder einsteigen kann, eignet es sich perfekt fürs entspannte Knobeln nach Feierabend. Ich jedenfalls ziehe es jedem Sudoku oder Kreuzworträtsel vor. Leicht zu kriegen ist es auch: Den „Incredible Machine Megapack“ mit insgesamt vier Spielen und hunderten Levels gibt es bei gog.com für unter 10 Euro. Wer nicht gerade eine Reinkarnation von Einstein ist, wird damit länger beschäftigt sein als mit so manchem Physik-Leistungskurs – und besser unterhalten sowieso. Und wenn das noch nicht reicht, gibt es auch ein freies Spiel, in dem Nachwuchs-Goldbergs ihre eigenen unglaublichen Maschinen basteln und mit unterschiedlicher Schwerkraft und mehr experimentieren können. 

Hier müssen wir die Windmühle zum Laufen bringen und ich weiß nicht wie. Für sachdienliche Hinweise aus der Trift-Community wäre ich dankbar.

Fazit: TIM schafft, woran Generationen von Lehrern gescheitert sind – nämlich zu beweisen, dass Physik Spaß machen kann – und zeigt auch nach fast 30 Jahren keinerlei Verschleißerscheinungen, was man nicht von vielen Maschinen behaupten kann. Deshalb kann ich es allen, die gerne tüfteln, überlegen und spielerisch Probleme lösen, nur empfehlen. Fest steht außerdem: Das geplante neue Trift-Hauptquartier wäre mit einer unglaublichen Maschine ausgestattet sogar NOCH besser.

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