Samstag, Januar 15, 2022
Diary

Oberwasser

In unseren Städten passiert praktisch alles Infrastrukturelle vor unseren Blicken verborgen. Unterirdisch werden wir mit Strom, Wasser und Internetz versorgt. Umso archaischer mutet es an, wenn wegen einer großflächigen Rohrverlegung plötzlich die ganze Nachbarschaft wieder oberirdisch-provisorisch mit Wasser versorgt wird, so wie bei mir jetzt. 

War hier schon immer alles voller Hydranten?

Auf einmal liegen fette Schläuche wie dickbäuchige Blindschleichen auf den Gehsteigen herum, Hydranten wachsen wie Pilze aus dem Asphalt und die sonst so stillen Straßen sind von einem Rauschen und Blubbern erfüllt wie von 100 Gebirgsbächen.*

Straße mit Grundrauschen

Was der Colorado River am Horseshoe Bend kann, kann die Graz AG schon lange.

Das mag lästig sein, wenn du wie Homer Simpson in New York superdringend aufs Klo musst und keines findest, aber ansonsten ist es mal eine echt nette Abwechslung. Wäre jetzt Sommer, würde ich ja die Schläuche abstecken und im Sprudel der Hydranten plantschen wie die Kinder in alten amerikanischen Filmen. Aber im Winter in Graz ist das nur so eine mittel verlockende Aussicht. So lass ich die Schläuche lieber dran und freu mich darauf, dass das Wasser aus den neu verlegten Leitungen bestimmt schmecken wird wie Ambrosia.

*Nur ganz leicht übertrieben.

So geht Abfluss auf Russisch.