Zwei auf gleichem Weg

Hauptdarstellerin Audrey Hepburn und Regisseur Stanley Donen: Ein Traumpaar der Filmgeschichte wie Bud Spencer und Terence Hill. Alle Filme der beiden sind etwas Besonderes: „Funny Face“ mit Fred Astaire ist mit seiner ansteckenden Fröhlichkeit und seinen tollen Songs das vielleicht beste Filmmusical, das ich kenne. Das grandiose „Charade“ mit Cary Grant gilt zu Recht als der beste Hitchcock-Film, den Hitchcock nie gedreht hat. Und ihr dritter gemeinsamer Film ist ebenso bemerkenswert und außergewöhnlich.

Da grinsen sie noch (via belcourt.org)

„Two for the Road” (Deutsch: “Zwei auf gleichem Weg“) erzählt die Geschichte von Mark und Joanna, die sich auf Reisen in Südfrankreich kennenlernen, verlieben, heiraten, eine Familie gründen und sich auseinanderleben. So weit, so unspektakulär. Das Besondere an dem Film: Er beginnt quasi am Ende, als Mark und Joanna genau die Art von abgestandener Ehe führen, die niemand je haben will und in die so viele Paare trotzdem irgendwie reinrutschen, und wechselt dann ständig zwischen Vergangenheit, noch früherer Vergangenheit und Gegenwart hin und her, teilweise im Minutentakt. Anhand der unterschiedlichen Orte in Südfrankreich, an die die beiden immer wieder kommen, erzählt der Film die Geschichte dieses ungewöhnlichen gewöhnlichen Paares so, als hätte Richard Linklater seine drei „Before“-Filme in den Mixer gesteckt und einen Smoothie daraus gemacht

Wer da nicht stehenbleibt, ist selber schuld (via IMDB: m.media-amazon.com)

Wie der Titel verspricht, ist „Zwei auf gleichem Weg“ ein Road Movie. Mark und Joanna sind ständig unterwegs. Ihre Autos spiegeln ihren Status und den ihrer Beziehung wider: Erst sind sie Anhalter, dann Mitfahrer im Auto von einem dieser verheirateten Paare mit verzogenem Kind, die alles sind, was man selbst nie sein will, dann haben sie endlich die erste eigene Rostlaube, später einen roten Sportwagen und schließlich einen schicken Mercedes. Dass dabei die Zufriedenheit im Leben nicht proportional mit der Fettheit des eigenen Autos wächst, ist eine Binsenweisheit, die sich auch hier wieder bestätigt.

60er-Schick pur auf der Party. Aber wer ist der Grinsekater neben Audrey? (via vg-images.condecdn.net)

Aber was sind das eigentlich für Leute, denen wir hier zusehen? Albert Finney spielt den Mark nicht gerade als Charmebolzen, ist aber in seiner wortkargen, rauen Art wahrscheinlich der idealtypische „Man‘s Man“ der 60er. Audrey Hepburns Joanna ist in den guten Momenten ansteckend lebenslustig und in den weniger guten herzzerreißend desillusioniert vom Leben und von ihrem vermeintlichen Göttergatten. Kein Wunder, dass sie nicht gerade abgeneigt ist, als ein anderer Mann ihr schöne Augen macht. Insgesamt sind Mark und Joanna nicht nur für sich interessante Charaktere, sondern auch hinsichtlich dessen, was sie uns über Geschlechterrollen und -bilder in den 60ern sagen. Was in dem Film besonders schön geht, weil alle außer den beiden buchstäblich nur Randfiguren sind.

Ein Kandidat für den Husband of the Year (via IMDB: m.media-amazon.com)

Eine Frage, die im Film wiederholt gestellt wird, ist, was für Leute in einem Lokal sitzen und sich nichts zu sagen haben. Die Antwort? Verheiratete. Zum Glück für uns haben Mark und Joanna und dieser Film aber doch einiges zu sagen über das Leben nach dem Happy End. Es ist ja so: Man fällt sich in die Arme und beschließt, sich ewig zu lieben. Alles super. Aber dann kommt nicht wie in den meisten Filmen praktischerweise der Abspann, sondern das Leben geht gnadenlos weiter. Und auf jeden Rausch folgt irgendwann die Ernüchterung. „Zwei auf gleichem Weg“ zeigt unterhaltsam inszeniert, grandios gespielt und vor wunderschönen Kulissen diese Verkaterung nach dem Liebesrausch. Und ist außerdem eine charmante Zeitreise zurück in eine Ära, als man Zigaretten im Flugzeug nicht nur kaufen, sondern auch gleich pofeln konnte.

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