Mittwoch, August 5, 2020
Diary

Old Man’s Journey

Old mans journey, intro bild

Ein wunderbar stil- und stimmungsvolles kleines Spiel aus Österreich.

Böse Zungen behaupten, auch jede Reise, die ich tue, ist eine Old Man’s Journey. Aber der Mann, um den es hier geht, ist richtig alt – mit weißem Rauschebart und so. Zu Spielbeginn bekommt er einen Brief, der ihn offenbar sehr bewegt, denn gleich darauf bewegt er sich, verlässt sein Häuschen und macht sich auf den Weg. Und wir steuern ihn dabei.

Old mans journey, haus mit fahrrad
So geht’s los (Quelle: Old Man’s Journey Presskit)

Normalerweise ist es witzlos, ein Spiel vorzustellen, ohne auf seine Mechanik einzugehen, aber herauszufinden, was man in Old Man’s Journey, das ganz ohne Worte auskommt, eigentlich machen kann bzw. soll, war schon die erste schöne Überraschung für mich. Daher will ich das hier auch nicht spoilern. Nur so viel: Die Spielmechanik ist clever, originell, minimalistisch, elegant und auch für Leute, die mit dem Controller auf Kriegsfuß stehen, problemlos zu meistern. Ab und zu ist Um-die-Ecke-Denken gefragt, aber länger als ein paar Minuten sitzt man selten an einem der 15 Kapitel.

Old mans journey, übersicht häuser
Ein Ort zum Verlieben (Quelle: Old Man’s Journey Presskit)

Und so reist man mit dem alten Mann zu Fuß, als Anhalter, mit Zug, Boot und Ballon recht zügig durch eine wunderschöne, an Südfrankreich oder Spanien erinnernde mediterrane Landschaft auf dem Weg zu einem Ziel, das wir nur erahnen können. Unterwegs macht er immer mal wieder Pause – er ist halt nicht mehr der Jüngste – und schwelgt dabei in Erinnerungen, die uns einen Hinweis darauf geben, was es mit seiner Reise auf sich haben könnte und wer er so ist. Nach etwa 2 Stunden ist man dann am Ziel und erlebt ein stimmiges, berührendes und befriedigendes Finale.

Old mans journey, alter mann sitzt auf bank
Verdiente Verschnaufpause mit Katze (Quelle: Old Man’s Journey Presskit)

Das Spiel erzählt seine herzergreifende Geschichte ausschließlich über die stimmungsvollen Bilder und das Gesicht des Alten. Und es ist zum Verlieben schön. Am liebsten wäre ich sofort mit Sack und Pack dorthin gezogen, wo der Mann wohnt. Aber nicht nur die äußeren Werte stimmen hier – auch Mechanik, Motive und Metapher passen grandios zusammen und machen Old Man’s Journey zu einem stilvollen Kleinod, das mich schnell in seinen Bann gezogen und sich einen festen Platz in meinem Herzen erobert hat.

Das Spiel des Wiener Indie-Entwicklers Broken Rules ist für wenig Geld auf praktisch allen mobilen und stationären Plattformen außer dem Zumbitsu 800 erhältlich und ich kann allen nur ans Herz legen, diese Reise zu machen – egal ob alt oder jung.

Weiterführende Links