Mittwoch, Mai 25, 2022
Diary

Rund um die Welt mit Ewan und Charley

Kurzer Disclaimer vorneweg: Angesichts dessen, was sich derzeit in der Ukraine abspielt, fällt es mir schwer, zur „Trift-Tagesordnung“ überzugehen. Andererseits hilft es ja nichts, vor dem Krieg in Schockstarre zu verfallen. Daher hier mal wieder ein schon vor längerer Zeit verfasster Text. 

Ich verreise leider immer noch hauptsächlich vor dem Fernseher. Aber was heißt leider? Denn selten war das Reisen so unterhaltsam und spannend wie mit Charley Boorman und Ewan McGregor.

Die beiden Freunde haben zwischen 2004 und 2019 drei wahnwitzige Motorradtrips unternommen: Einmal wollen sie nichts weniger als die ganze Welt von West nach Ost umrunden, dann von Schottland bis zum Kap der Guten Hoffnung brettern und zuletzt von Feuerland nach Los Angeles – auf Elektrobikes. Mitten durchs Niemandsland von Patagonien!

Wohin man schaut, nichts als Gegend (via longwayup.com)

Zu unserem Glück haben sie sich in den Doku-Serien „Long Way Round“, „Long Way Down“ und „Long Way Up“ dabei filmen lassen. Und ich habe die geradezu verschlungen. Denn nicht nur bekommen wir dabei unbekannte Ecken der Welt und traumhaft schöne Bilder zu sehen, die beiden Motorradfreaks agieren vor allem auch so nahbar und sympathisch, dass aus Hollywoodstar Ewan McGregor und seinem Kumpel Charley Boorman schon bald MEINE Kumpel Ewan und Charley werden, die mich auf ihren Bikes mit auf große Fahrt nehmen.

Begleitet werden sie dabei von einer treuen Crew in Begleitfahrzeugen, die sie aber in der Regel nur bei Grenzübergängen treffen. Die meiste Zeit sind die drei Biker auf sich allein gestellt. Drei? Ja, denn auf einem dritten Motorrad fährt Kameramann Claudio von Planta mit, der mit seiner Kombination aus Tiefenentspanntheit und einem Talent, das Unheil anzuziehen, so was wie die Schweizer Antwort auf den Dude und mein heimlicher Held der Reihe ist.

Noch ahnt Claudio nicht, was ihm bevorsteht (via pinterest.com)

Neben tollen menschlichen Begegnungen, die von rührend bis WTF reichen, vermitteln die Dokus auch wunderbar das Gefühl, on the road zu sein. Zum Beispiel in der Mongolei, wo es zur Zeit von Long Way Round praktisch keine asphaltierten Straßen gab und die Jungs entsprechend zu leiden hatten. Aber dafür warten eben auch immer wieder Erlebnisse und Begegnungen, die du nur haben kannst, wenn du querfeldein auf zwei Rädern unterwegs bist.

Besondere Momente gibt es in den „Long Ways“ jedenfalls zuhauf: Sei es, wenn ich mit den Jungs mitfiebere, wenn sie in Sibirien oder Patagonien versuchen, Gelände zu durchqueren, das als „unwegsam“ so euphemistisch beschrieben ist wie die Antarktis als „frisch“. Ein Würgen unterdrücke angesichts der Dinge, die sie von wohlmeinenden Gastgebern aufgetischt bekommen. Oder die Hände über den Kopf zusammenschlage, weil sich Claudio schon wieder in irgendeinen Schlamassel reingeritten hat. Dabei kommt aber nie ungut pickiges Reality-TV-Flair auf, sondern es ist immer eine authentische und zutiefst menschliche Dokumentation von ein paar Jungs, die sich auf typisch jungshaft-hemdsärmelige Art in Abenteuer stürzen.

Schwieriges Gelände… (via truefilms.com)

Mir imponiert auch, wie die zwei an die ganze Sache und die damit verbundenen Herausforderungen herangehen. Ihr grundlegend positiver, offener und humorvoller Zugang zur Welt und den Menschen hat was total Ansteckendes. Und zu sehen, wie herzlich, hilfsbereit und einfach nett viele der Leute sind, denen Ewan und Charley begegnen, gibt Hoffnung für die Welt. Und die kann die Welt gerade eh sehr gut gebrauchen.

Servicehinweis: Long Way Round und Long Way Up gibt es auf DVD und mit etwas Glück in eurer örtlichen Mediathek zum Ausleihen. Long Way Up ist meines Wissens derzeit exklusiv bei Apple TV, wo es auch die anderen beiden Serien zu sehen gibt.

Das Schild kennen wir doch von irgendwoher? (via soymotero.net)

Ebenfalls mit dem Motorrad sowie allen anderen möglichen und unmöglichen Verkehrsmitteln ist natürlich auch die Trift-Truppe unterwegs. Zum Beispiel in Indien, Kenia  oder Lesotho.

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